2. Freiburger Lehrertag am 20. und 21. Oktober 2006
Eine Arbeitsgruppe an der Freiburger Universitätsklinik unter Leitung von Prof. Dr. Joachim Bauer, Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, untersucht im Rahmen eines von der Berliner „Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin“ unterstützten Forschungsprojektes „Lange Lehren“ die berufliche und gesundheitliche Situation schulischer Lehrkräfte. Der besonderen Situation schulischer Lehrkräfte, ist der am 20. und 21.10.2006 zum zweiten Mal stattfindende „Freiburger Lehrertag“ gewidmet.
„Der Lehrerberuf erfordert nicht nur fachliche Qualifikation, sondern ist ein Beziehungsberuf“, so Studienleiter Joachim Bauer. Daher soll es dieses Jahr beim Lehrertag um die Frage gehen, wie Lehrerinnen und Lehrer die notwendige Beziehungskompetenz erwerben. Die bisher vorliegenden Ergebnisse der Freiburger Untersuchungen zeigen, daß sich die Belastungen des Lehrerberufs vor allem aus nicht lösbaren Problemen im Bereich der innerschulischen Beziehungsgestaltung ergeben. Besonders besorgniserregend ist das in der Untersuchung deutlich gewordene Ausmaß an persönlicher Herabwürdigung, Bedrohung und Gewalt, dem Lehrer während ihrer Dienstzeit ausgesetzt sind. „Unsere Ergebnisse bekräftigen die Forderungen des Bundespräsidenten in seiner ersten Berliner Rede vom 21.09.2006 nach mehr Anerkennung für Lehrer und Lehrerinnen“, so Arbeitsgruppenleiter Bauer. „Der Bundespräsident hat Recht, wenn er schulische Lehrkräfte als ‘Helden des Alltags’ bezeichnete“.
Der „2. Freiburger Lehrertag“ mit dem Oberthema „Beziehungskompetenz in der Lehrer-Ausbildung“, der am 20. Oktober 2006 im Hörsaal 1010, KG I der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg von der Abteilung Psychosomatische Medizin der Uniklinik Freiburg ausgerichtet wird, bietet Redebeiträge prominenter Referenten wie Professor Dr. Matthias Jerusalem und Professor Dr. Markus Frommhold mit anschließender Podiumsdiskussion. Am Vormittag des 21. Oktober 2006 werden zahlreiche Workshops für Lehrerinnen und Lehrer das Angebot ergänzen wie zum Beispiel „Konfliktsituationen: Ansehen, klären und neue Sichtweisen eröffnen“, „Kommunikation: Alte Muster erkennen und neue ausprobieren“.
Die Freiburger Forschergruppe des Lehrergesundheitsprojektes machte kürzlich in einer bereits im Sommer 2006 herausgegebenen Pressemitteilung deutlich, welchen Widrigkeiten Lehrerinnen und Lehrer in ihrem beruflichen Alltag ausgesetzt sind. Soweit es die Beziehung mit Schülern betrifft, sind innerhalb eines Zwölf-Monatszeitraums 43 Prozent der Lehrkräfte das Ziel von massiven verbalen Angriffen, sieben Prozent haben Beschädigungen persönlichen Eigentums erlebt, mehr als vier Prozent wurden konkret mit körperlicher Gewalt bedroht und 1,4 Prozent der Lehrkräfte waren – jeweils innerhalb eines Zeitraumes von nur einem Jahr – von körperlicher Gewalt betroffen. Die Prozentsätze liegen bei isolierter Betrachtung der Hauptschulen sogar noch deutlich höher: 53 Prozent verbale Attacken, zehn Prozent Beschädigung von persönlichem Eigentum, 7,3 Prozent Androhung körperlicher Gewalt, 2,1 Prozent erlebte körperliche Gewalt.
Schulische Lehrkräfte verdienten mehr Wertschätzung und Anerkennung für die von ihnen geleistete Arbeit. Die öffentliche Stimmungsmache gegen Lehrerinnen und Lehrer müsse aufhören, so Bauer. Dringend erforderlich sei eine „Vermenschlichung des schulischen Arbeitens“ durch mehr Zeit für Lehren und Lernen, um hierdurch eine bessere Beziehungsgestaltung in der Schule zu ermöglichen. Des Weiteren sei schließlich erforderlich bei der Ausbildung schulischer Lehrkräfte nicht nur auf fachliche Aspekte zu achten, sondern angehende Lehrerinnen und Lehrer mit psychologischer Kompetenz auszustatten. Genau diesem Thema wird der jetzt am 20, und 21. Oktober stattfindende „2. Freiburger Lehrertag“ gewidmet sein.