Glückliches Ende einer Behörden-Odyssee. Salih de Buhr hat es geschafft: Seit kurzem darf sich der junge
Deutsche türkischer Herkunft “Medizinisch-technischer
Laboratoriumsassistent” (MTLA) nennen. Mit dem Bestehen der so
genannten Gleichwertigkeitsprüfung hat er nachgewiesen, dass seine
in der Türkei erworbenen Kenntnisse denen einer in Deutschland
absolvierten Ausbildung entsprechen und er in der Lage ist, hier in
diesem Beruf zu arbeiten. “Vier Hauptfächer in einem Jahr - das war
ganz schön viel für Salih”, betont Edeltrud Fleischhacker. Die
Leitende Lehrerin der MTLA-Schule des Universitätsklinikums
Münster (UKM) setzte im Oktober vor einem Jahr der
Behörden-Odyssee des 31-Jährigen ein Ende.
Nach seiner Ankunft in Osnabrück vor fünf Jahren hatte sich de
Buhr sofort daran gemacht, Deutsch zu lernen und sich Arbeit in einer
Schlachterei gesucht. Doch natürlich war ihm klar, dass die
Verdienst- und Aufstiegschancen in seinem erlernten Laborberuf besser
sind. Daher wandte er sich Anfang 2005 an das Niedersächsische
Landesamt für Soziales, Jugend und Familie als zuständige
Behörde mit der Frage, was er tun müsse, um sein in der Türkei
abgelegtes Examen in Deutschland anerkannt zu bekommen.
Voraussetzung sei die Teilnahme an einem einjährigen Anpassungslehrgang auf allen Gebieten der Laboratoriumsmedizin einschließlich praktischer Abschlussprüfung, lautete die Antwort. Dazu verwies man ihn an die MTA-Schule des Klinikums der Stadt Osnabrück, seinem damaligen Wohnort. Von dort teilte man de Buhr jedoch mit, man sehe sich “organisatorisch nicht in der Lage, einen derartigen Lehrgang durchzuführen.” Schließlich wandte sich der junge Migrant, der
inzwischen geheiratet und die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, an die von Osnabrück aus nächst gelegene MTLA-Schule in Nordrhein-Westfalen, nach Münster.
Hier schließlich fand er Gehör. “Er hat alles Organisatorische
sofort selbst in die Hand genommen, und ich habe gemerkt, wenn wir ihn von der Schule aus entsprechend unterstützen, wird er den
Anpassungslehrgang erfolgreich durchlaufen und die Prüfungen
bestehen”, lobt Fleischhacker Selbständigkeit und Fleiß ihres
Schülers. Abgenommen hat die Gleichwertigkeitsprüfung das
Gesundheitsamt Münster. Außer MTLA können an Schulen des UKM
auch Medizinisch-Technische Radiologieassistenten (MTRA),
Physiotherapeuten und Hebammen entsprechende Anpassungslehrgänge besuchen.
“Theoretisch besteht für ausländische Absolventen die
Möglichkeit, sich nach bestandener deutscher Sprachprüfung sofort
für die Gleichwertigkeitsprüfung anzumelden, doch die Chance, ohne
spezielle Vorbereitung auf Anhieb zu bestehen, ist sehr gering”,
betont die Schulleitern. “Manche Arbeitsweisen sind von Land zu Land
eben doch sehr unterschiedlich.”
Das Pädagogenteam der MTLA-Schule unter der medizinischen Leitung
des Hygienikers Prof. Dr. Helge Karch betreut insgesamt jeweils
zwischen 120 und 130 junge Menschen in drei Ausbildungsjahrgängen.
Auf individuelle Lebensumstände der Schülerinnen und Schüler
einzugehen, hat an der Schule Tradition. “Das gesetzlich
Vorgeschriebene und das Menschliche unter einen Hut zu bringen, darin
sehen wir unsere Aufgabe”, so die Schulleiterin. Wer mehr über den
Beruf der MTLA erfahren möchte, sollte sich den 9. November
vormerken. Dann lädt die Schule für Medizinisch-technische
Laboratoriumsassistenten in der Robert-Koch-Straße 31 zu einem “Tag
der offenen Tür” ein.