Eine neue Entwicklung von RWTH-Wissenschaftlern macht Zuläufe von Fremdwasser in Kanalsystemen ausfindig
Das Problem liegt hauptsächlich unter der Erde und macht sich meist erst mit einiger Verzögerung unangenehm bemerkbar: Wenn die Rechnung der Abwassergebühren ins Haus flattert. Es geht um Fremdwasser, also unverschmutztes Regenwasser, das nicht in den Boden sickert und sich wieder dem normalen Kreislauf einfügt, sondern in die Kanalisation gelangt. Viele Eifelgemeinden kämpfen mit diesem Problem, da hier die tonschieferhaltigen Schichten im Untergrund das Versickern behindern. Nicht selten benötigen Häuser aus diesem Grund Dränagen und Pumpen, um die Keller trocken zu halten. Fremdwasser mischt sich mit dem originären Inhalt der Kanäle und kann die Menge des Abwassers um das vier- bis neunfache ansteigen lassen. Diese Wassermassen stellen die Klärwerke vor Probleme, da sie für diese Mengen nicht ausgelegt sind und die Reinigung erschweren. Zudem müssen nicht selten Pumpen helfen, topographischen Hürden zu überwinden, was zusätzliche Energiekosten verursacht. Dies sind unter anderem die Gründe dafür, dass einige Eifelgemeinden die Liste der Kommunen mit den höchsten Abwassergebühren im Land anführen.
Diese Entwicklung wollen die Eifelkommunen Schleiden, Nettersheim, Kall und Hellenthal aufhalten und in den kommenden zwei Jahren die Menge des Fremdwassers in den Kanälen reduzieren. Sie haben dazu ein gemeinsames AbwasserbeseitigungsÂkonzept entwickelt, das vom Umweltministerium des Landes NRW in diesem Jahr mit 15 Millionen Euro gefördert wird. Die gleiche Summe wurde den Kommunen für das kommende Jahr in Aussicht gestellt.
Die Grundlage für eine wirksame Fremdwasserreduzierung ist die genaue Kenntnis, über welche Pfade es in die Kanalnetze gelangt. Sind Undichtigkeiten in öffentlichen Rohrleitungen vorhanden, lassen sich diese in der Regel vergleichsweise leicht lokalisieren. „Die Herausforderung besteht darin, den Fremdwasserabfluss aus den privaten Leitungen grundstückscharf zu erfassen“, erläutert Dr. Friedrich-Wilhelm Bolle. Der Geschäftsführer des Forschungsinstitutes für Wasser- und Abfallwirtschaft (FiW) an der RWTH Aachen weist darauf hin, dass die privaten Leitungen, deren Länge in etwa das zwei- bis dreifache des öffentlichen Netzes entspricht, oft eine wesentliche Quelle für den ständigen Zufluss von Grund- oder Regenwasser in die Kanalisation darstellen. Bei der Suche nach solchen Schwachstellen im System kann ein am FiW entwickeltes Messgerät künftig wichtige Hilfe leisten. Das mit ausgeklügelter Messtechnik bestückte Rohr wird dabei mittels Roboter direkt an der Mündung eines Hausanschlusses in die Kanalisation installiert. Im Gegensatz zu anderen Einrichtungen dieser Art kommt das Gerät ohne Kabelleitungen aus und misst über einen Zeitraum von zwei oder drei Tagen die durchfließenden Mengen. Gleichzeitig erstellt es ein Diagramm, das die Werte über den Tages- und Nachtverlauf darstellt. Auf diese Weise kann bei der Auswertung festgestellt werden, ob die Mengen dem normalen Verbrauch entsprechen oder permanent zusätzliches Wasser diesen Weg nimmt, weil die Leitung beispielsweise Risse aufweist, durch die Grundwasser eindringt. Die neue Entwicklung der RWTH- Wissenschaftler befindet sich zurzeit in der Prototypphase und wird noch in diesem Jahr im Rahmen eines gemeinsamen Projektes mit der Stadt Ahlen in Westfalen den ersten Praxistest absolvieren.