Wie kann die Menschheit die globale Zukunft noch gestalten?
Prominent besetzte Veranstaltung des Bayreuther Forums Kirche und Universität.
Antworten finden auf die Frage, wie die Menschheit die globale Zukunft (noch) gestalten kann, versucht am 10./11. November im Audimax der Universität Bayreuth und im Wissenschaftszentrum Schloß Thurnau eine prominent besetzte Tagung des Bayreuther Forums Kirche und Universität.
Hintergrund der Tagung ist die Erkenntnis, dass sich Globalisierung in den letzten Jahrzehnten durch die modernen Verkehrs- und Kommunikationsmittel sprunghaft konkretisiert hat : Die Länder der Erde befinden sich nicht nur in einem immer dichter werdenden Netz allseitiger Beziehungen auf den verschiedenen Lebensbereichen (wie Wirtschaft, Kultur u.a.); vielmehr setzt sich auch zunehmend das Bewußtsein durch, dass wir als Menschheit den einen Globus miteinander teilen, also auch ein gemeinsames Schicksal haben.
Durch die Art, wie wir vor allem in den Industrie- und Schwellenländern leben, sind aber Entwicklungen in Gang gesetzt worden, die die Zukunft der Menschheit als risikovoll erscheinen lassen. Erhebliche Veränderungen unserer Lebensmöglichkeiten bis hin zur Selbstzerstörung sind zu befürchten. Deshalb ist es auch nötig, “um unserer selbst bzw. unserer Nachkommen willen die Frage der globalen Zukunft zum Thema unseres gemeinsamen Nachdenkens und Handelns zu machen”, formulieren die Veranstalter, namentlich der Bayreuther Mikrometeorologe Professor Dr. Thomas Foken und Pfarrer Christoph von Knobelsdorff.
Moderiert von Dr. Marc Beise (Süddeutsche Zeitung) widmet sich der erste Tag in Bayreuth in Referaten den Problemfeldern. So wird sich der bekannte Klimaforscher Professor Dr. Hartmut Graßl (Max Planck Institut für Meteorologie, Hamburg) mit dem Klimawandel beschäftigen: “Der angelaufene, der drohende und der noch ausreichend gedämpfte Klimawandel” (15:30 Uhr). Anschließend (16:00 Uhr) wird sich mit Professor Dr. Rolf J. Langhammer der Vizepräsident des renommierten Instituts für Weltwirtschaft in Kiel mit der “Erosion der Welthandelsordnung” befassen und eine Antwort auf die Frage versuchen, ob es sich um einen beklagenswerten Verlust oder einen chancenträchtigen Wandel handelt.
Ab 17:00 Uhr stehen Sicherheitsaspekte auf dem Programm: Mit Trends und Herausforderungen der Konfliktkonstellationen zu Beginn des 21. Jahrhunderts setzt sich dazu als Fachmann Dr. Wolfgang Zellner auseinander, der stellvertretende Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg. Ihm folgt (17:30 Uhr) mit Dr. Günter Pleuger ein Diplomat, der bis zum Juli dieses Jahres die Interessen der Bundesrepublik als Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York vertreten hat. Sein Thema liegt nahe: “Die UNO vor den Herausforderungen und Krisen des 21. Jahrhunderts.” Den Abschluß des ersten Tages bildet ein Referat (18:00 Uhr) des Bamberger Moraltheologen Professor Dr. Volker Eid: “Die Religionen unserer Welt, für unsere Welt: Miteinander oder getrennt – oder gegeneinander?
Fünf weitere Vorträge markieren den Beginn des zweiten Tagungsabschnitts am Samstag auf Schloß Thurnau. Zunächst (9:30 Uhr) wird der Bayreuther Biogeograf Professor Dr. Carl Beierkuhnlein auf globale Veränderungen und Biodiversitätsverluste eingehen, die er als eine Bedrohung ökologischer Serviceleistungen einstuft. Ein weiterer Bayreuther Experte, der Inhaber des Lehrstuhls für Technische Thermodynamik und Transportprozesse, Professor Dr.-Ing. Dieter Brüggemann will “Wege zu einer ressourcen- und klimaschonenden Energieversorgung” aufzeichnen (9:45 Uhr).
Nach einer Diskussion zum Thema Umwelt und Energie befaßt sich der Bamberger Bevölkerungswissenschaftler Professor Dr. Josef Schmid mit der Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert: “Konvergenz oder getrennte Wege?” (11:00 Uhr). Antworten auf die Frage, ob Bildungs- und Gesundheitsförderung Beiträge nachhaltiger Armutsbekämfung sind, kann man danach von Dr. Anne Kremer vom Evangelischen Entwicklungsdienst in Bonn erwarten (11:15 Uhr). Den Abschluß der Vorträge bestreitet der frühere Bayreuther und jetzige Münchner Rechtswissenschaftler Professor Dr. Rudolf Streinz. Er fragt (13:15 Uhr) nach den Wandlungen des Völkerrechts und der Rolle des Nationalstaates im Zeitalter von Europäisierung und Globalisierung. Mit einer Zusammenschau und abschließenden Diskussion wird die Tagung beendet.