Theodor-Eschenburg-Preis fuer Politikwissenschaftlerin Helga Haftendorn
Prof. Dr. Helga Haftendorn - Expertin fuer deutsche und amerikanische Aussenpolitik, internationale Sicherheitspolitik und die Nordatlantische Allianz - ist mit dem Theodor-Eschenburg-Preis der Deutschen Vereinigung fuer Politische Wissenschaft (DVPW) ausgezeichnet worden. Die Politikwissenschaftlerin, die bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2000 an der Freien Universitaet Berlin forschte und lehrte, erhielt den Preis bei dem in Muenster stattfindenden 23. wissenschaftlichen Kongress der DVPW ueberreicht. In der Laudatio wuerdigte der Politikwissenschaftler Gunther Hellmann von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universitaet Frankfurt a. M. Helga Haftendorn fuer ihr ausserordentliches Engagement, gerade auch im Umgang mit Nachwuchswissenschaftlern. “Helga Haftendorn hat keine Schule begruendet; sie hat Menschen gefoerdert”, so Gunther Hellmann. Im Zentrum von Haftendorns Werk habe stets die deutsche Aussenpolitik gestanden. Dabei sei es ihr ein persoenliches Anliegen gewesen, nicht nur zum besseren Verstaendnis der Ursachen und Konsequenzen von Aussenpolitik beizutragen, sondern auch jene Bedingungen zu identifizieren, die eine friedlichere Welt ermoeglichen. Insgesamt sei Helga Haftendorn eine Vertreterin der Politischen Wissenschaft, die fuer die Entwicklung der politikwissenschaftlichen Teildisziplin “Internationale Beziehungen” in Deutschland praegend wurde. “Fuer Helga Haftendorn, die in den 1950er Jahren gegen die Wiederbewaffnung auf die Strasse ging, spaeter dann aber die meisten sicherheitspolitischen Entscheidungen der Bonner Republik mittrug, war es immer ein Teil ihres professionellen Selbstverstaendnisses, mit Augenmass und Leidenschaft nach Moeglichkeiten fuer eine europaeische Friedensordnung zu suchen”, so Hellmann.
Ihre wissenschaftliche Karriere begann Helga Haftendorn nach dem Studium der Politikwissenschaft, Geschichte, Geographie und Philosophie in Heidelberg, Muenster, Frankfurt a. M. und Little Rock (Arkansas/USA) mit einer Dissertation ueber “Das Problem von Parlament und Oeffentlichkeit” an der Universitaet Frankfurt. Nach Stationen als Redakteurin bei der Zeitschrift “Europa Archiv” sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der “Deutschen Gesellschaft fuer Auswaertige Politik” wechselte sie zur Universitaet Hamburg, wo sie sich 1972 mit einer Arbeit ueber die Abruestungs- und Entspannungspolitik der Bundesrepublik seit der Wiederbewaffnung habilitierte.
Bereits ein Jahr spaeter erhielt sie ihren ersten Ruf auf eine Professur fuer Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Hochschule der Bundeswehr in Hamburg. 1978 nahm sie den Ruf auf eine Professur fuer “Politische Wissenschaft, insbesondere Theorie, Empirie und Geschichte der auswaertigen und internationalen Politik” an der Freien Universitaet Berlin an und gruendete hier 1986 die Arbeitsstelle “Transatlantische Aussen- und Sicherheitspolitik”.
An der Freien Universitaet Berlin forschte und lehrte Helga Haftendorn bis zu ihrer Emeritierung Ende 2000. Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte fuehrten sie unter anderem an die Universitaeten Harvard, Stanford, Georgetown und Florenz. 1991/92 wurde sie Praesidentin der International Studies Association. 1993 erfolgte die Wahl in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Im November 1995 erhielt Helga Haftendorn den renommierten Max-Planck-Forschungspreis fuer internationale Zusammenarbeit.