Willkommen bei University-News! Bei uns finden Sie aktuelle Nachrichten aus deutschen Universitäten. Wir danken den angeführten Universitäten für deren freundliche Hilfe.

Kalender

September 2008
M D M D F S S
« Feb    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  

8. November 2006

Humboldt-Reden zu Europa - Valéry Giscard d’Estaing an der Humboldt-Universität

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 09:07

Am 9. November 2006 spricht der frühere französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing in der Humboldt-Universität Im Rahmen der Reihe „Humboldt-Reden zu Europa“ wird der frühere französische Staatspräsident, Valéry Giscard d‘Estaing zum Thema: “Peut-on créer un patriotisme européen?” sprechen.

Ort: AudiMax der Humboldt-Universität zu Berlin Datum: 9. November 2006 Zeit: 10 Uhr

Die wegweisende und viel beachtete Humboldt-Rede des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vom 1. November 2006 mit seinem Plädoyer für ein außenpolitisch starkes Europa, das mit einer Stimme spricht, ist kaum verklungen. Ganz im Sinne eines deutsch-französischen Dialogs soll sogleich Frankreich zu Wort kommen: Mit einer Humboldt-Rede des früheren Staatspräsidenten Giscard d’Estaing, der als Präsident des Europäischen Konvents nicht nur zu dessen Erfolg entscheidend beigetragen, sondern auch den Inhalt des Vertrags über eine Verfassung für Europa mit geprägt hat. Niemand kennt so gut wie er die Hintergründe der Verhandlungen, die zu diesem historischen Werk geführt haben, niemand sonst hat aber auch die einschlägige politische Erfahrung und zugleich die kritische Distanz zum gegenwärtigen politischen Geschehen in Frankreich, die es erlauben, nach dem negativen französischen Referendum mit nüchternem Weitblick die Chancen des Verfassungsprojekts zu beurteilen. Der Titel seines Vortrags:

“Peut-on créer un patriotisme européen?”

lässt eine neue Dimension seiner Analyse erkennen. Es geht nicht (mehr) um eine bloße, auf die wirtschaftliche Integration gerichtete Zweckgemeinschaft; mit dem europaweiten Diskurs über das Verfassungsprojekt richtet sich der Focus auf die Grundlagen im Denken und Fühlen der Menschen, welche die Verwirklichung voraussetzt. Die Frage, ob man einen europäischen Patriotismus begründen und entwickeln kann, mag einem deutschen Zuhörer fremd erscheinen, ihn verblüffen. Umso spannender verspricht ein Vortrag über die französischen Perspektiven zu diesem Thema zu werden. Valéry Giscard d’Estaing hat zusammen mit Helmut Schmidt durch die Errichtung des Europäischen Währungssystems die ersten Schritte zur Entwicklung der Wirtschafts- und Währungsunion eingeleitet. Er hat als Abgeordneter im Europäi-schen Parlament wichtige Beiträge zur Subsidiaritätsdebatte geleistet, für seine Arbeit im Konvent über die Zukunft für Europa erhielt er im Jahre 2003 den Karlspreis, jetzt kürzlich am 21. Oktober 2006 wurde ihm der „Preis des Westfälischen Friedens“ verliehen. Am vergangenen Mittwoch hat ihn Richard von Weizsäcker als einen der „großen Europäer“ erwähnt und nachdrücklich empfohlen, die jetzt gebotene Möglichkeit, ihn an der Humboldt-Universität zu hören, nicht zu verpassen. Wir hoffen und freuen uns, mit dieser Veranstaltung dem Dialog zwischen Politik und Wissenschaft zur Entwicklung der Europäischen Union im Vorfeld der deutschen Ratspräsidentschaft neue Denkanstöße geben zu können. Präsident Giscard d’Estaing wird auf Einladung der Fondation Robert Schuman am Ende der Veranstaltung den erfolgreichen Teilnehmern des Postgraduierten-Studiengangs Europawissenschaften feierlich die Zeugnisse überreichen.

Die “Humboldt-Reden zu Europa” werden vom Walter Hallstein-Institut für Europäisches Verfassungsrecht der Humboldt-Universität zu Berlin in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Nationalstiftung veranstaltet, nachdem der ehemalige Außenminister Fischer im Mai 2000 mit seiner Rede über die Finalität Europas der Verfassungsdebatte neue Impulse gegeben hatte. Die Reihe ist amtierenden und ehemaligen Staats- und Regierungschefs vorbehalten, die unseren Studenten, Kollegen und Gästen aus Wissenschaft, Politik und Praxis ihre europapolitischen Grundideen und Visionen erläutern und mit ihnen diskutieren. Soweit uns schriftliche Fassungen der Reden zur Verfügung stehen, sind diese auf der Internet-Seite des WHI unter http://www.whi-berlin.de publiziert.

• • •

6. November 2006

Prof. Richard Schröder spricht beim Symposium: „Religion in Ost und West zwischen 1945 und 1989“

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 21:10

3. Januskopf-Symposium der DKB Stiftung am 11. und 12. November 2006 Die Stiftung der Deutschen Kreditbank AG, die DKB Stiftung für gesellschaftliches Engagement, lädt am 11. und 12. November 2006 zum 3. Januskopf-Symposium mit dem Thema „Religion in Ost und West zwischen 1945 und 1989: Erfahrungen – Entwicklungen - Perspektiven“ auf Schloss und Gut Liebenberg (rund 60 km nördlich von Berlin) ein. Prof. Dr. Richard Schröder, Theologe der Humboldt-Universität, wird zum Thema „Denken im Zwielicht“ sprechen.

In sieben Vorträgen und zwei Podiumsdiskussionen werden ausgewiesene Fachleute aus Wissenschaft und Forschung die Problematik der Ausübung der verschiedenen Religionen und die Funktion der Kirchen in der ehemaligen DDR beleuchten. Weitere Themen sind die Kontakte und Kooperationen zwischen ost- und westdeutschen Kirchen und die gegenseitige Wahrnehmung und Erfahrungen in Ost und West. Die DDR-Kirchenpolitik und die Friedensbewegung werden ebenso Gegenstand der Erörterungen sein wie die Probleme des heutigen Wertewandels und die elementare Frage: „Braucht der Mensch Religion?“.

Am 11. November um 13:00 Uhr eröffnet das Symposium Dr. Peter Kahn, Vorsitzender des Kuratoriums der DKB Stiftung für gesellschaftliches Engagement. Einen einleitenden Vortrag zur „Gesamtsituation der Juden unter Berücksichtigung der DDR“ hält die jüdische Religionswissenschaftlerin Ruth Lapide, die für Ihre Arbeiten zur Förderung der Verständigung zwischen Juden und Christen, Israel und Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Um 14:00 Uhr berichtet der Berliner Prälat Gerhard Lange über den „gelebten christlichen Glauben in der Konfrontation mit dem politisch-weltanschaulichen Anspruch des real-existierenden Sozialismus in der DDR“. Ab 15:15 Uhr wird Prof. Dr. Richard Schröder, Theologe an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied im Nationalen Ethikrat, unter dem Titel „Denken im Zwielicht“ die Konflikte von Religion, Kirchenpolitik und Hochschullehre in der DDR verdeutlichen. Ab 16:00 Uhr hält Dr. Erhart Neubert, Fachbereichsleiter der Abteilung Bildung und Forschung beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und Vorstandsmitglied der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, einen Vortrag über die Bürgerbewegungen im Spiegel der evangelischen Kirche in der DDR. Um 17:15 Uhr beginnt die Podiumsdiskussion zum Thema „religiöse und religionspolitische Erfahrungen, Kooperationen und gegenseitige Wahrnehmung zwischen Ost und West“.

Am 12. November um 10:30 Uhr wird Prof. Dr. Peter Steinbach, Historiker an der Universität Fridericiana in Karlsruhe und wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, über “religiöse Motive des Widerstandes in der DDR und ihre Bewertung in der Bundesrepublik Deutschland“ sprechen. Anschließend referiert Prof. Dr. Heiner Meulemann vom Institut für angewandte Sozialforschung an der Universität zu Köln zum Wertewandel in West- und Ostmitteleuropa seit dem Fall des „eisernen Vorhangs“. Ab 13:45 Uhr zieht der Kirchenmusiker und Musikwissenschaftler Habakuk Traber einen Ost-West Vergleich zur neuen Spiritualität in Kunst und Kultur. Um 14:30 Uhr beginnt die abschließende Podiumsdiskussion mit dem Thema: „Wertewandel, religiöse Entwicklungen und Perspektiven für das geeinte Deutschland und die EU - Braucht der Mensch Religion?“

Die DKB Stiftung für gesellschaftliches Engagement wurde am 21.10.2004 in Berlin gegründet. Die satzungsgemäßen Ziele sind u.a. die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, die Belange der Kinder- und Jugendhilfe, des Sports sowie der Kunst und Kultur.

• • •

31. Oktober 2006

Monday Lectures: Von Politik bis Literatur - Das Großbritannien-Zentrum startet Veranstaltungsreihe

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 08:46

Im Wintersemester decken die fünf Monday Lectures des Großbritannien-Zentrums der Humboldt-Universität die Bereiche Kulturökonomie, Politik und Literatur ab. Auftakt der Veranstaltungsreihe ist am 06. November 2006.

Elizabeth Stern, externe Dozentin an der City University London, spricht aus ihrer Erfahrung beim Arts Council England und hinterfragt die Grundhypothese der Kulturindustrien: Lässt sich die Kunst tatsächlich als Profitsektor ausbeuten? Der Politiker und Bildungsminister im konservativen Schattenkabinett, David Willetts MP, widmet sich der Frage, wie Großbritannien und Deutschland im Bildungssektor voneinander lernen können. Danach geht es um Randphänomene’ der englischen Literatur: Fragen der nationalen Identität in der postkolonialen Literatur behandeln die Vorträge der Professoren Zach und Carpenter: Wie beeinflusst Aborigine-Kultur die australische Literatur? Welche Rolle spielt Englisch in der irischen Literatur und insbesondere für den Exil-Iren Jonathan Swift? Nicht zuletzt feiert das GBZ die neue Ausgabe der deutsch-englischen Zeitschrift Hard Times „Contemporary British Poetry“ mit einer Lesung von vier britischen Lyrikern, die in einer anschließenden Diskussion die besonderen Publikationsbedingungen und die allgemeine Situation der Lyrik in Großbritannien heute reflektieren werden.

Die Vorträge werden in englischer Sprache gehalten und richten sich auch an die interessierte Berliner Öffentlichkeit. Sie finden montags um 18:15 Uhr im Raum 006 in der Jägerstraße 10-11 in Berlin-Mitte statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

06.11.06 Elizabeth Stern, “Profiting from the Arts? The Creative Industries Explored”

15.11.06 David Willets, “What the German and British Education Systems Can Learn From Each Other” (Achtung: Mittwoch, Beginn 18:30, Ort: Heiliggeist-Kapelle der Wirtschaftswiss., Spandauer Str.1, Berlin-Mitte)

04.12.06 Wolfgang Zach, “The Indigenous Factor in (De/Re)Constructing Australianness”

11.12.06 Launch of Hard Times No. 80 “Poetry Issue” / Poetry Reading: Tim Liardet, Robert Minhinnick, Jeremy Over, John Hartley Williams und Jackie Wills

08.01.07 Andrew Carpenter, “English in Ireland: A New Look at Swift’s Early Satirical Verse”

Weitere Informationen unter: www2.hu-berlin.de/gbz/

Das Großbritannien-Zentrum der Humboldt-Universität ist ein interdisziplinäres Institut, das sich mit Kultur und Geschichte sowie politischen, ökonomischen und rechtlichen Strukturen Großbritanniens befasst. Seine Aufgaben sind großbritannienbezogene interdisziplinäre Projekte in Lehre, Forschung, Nachwuchsförderung und Öffentlichkeitsarbeit. Das GBZ führt jährlich einen postgradualen dreisemestrigen Studiengang Master in British Studies durch. Daneben veranstaltet das GBZ Vorträge und Tagungen zu aktuellen Themen mit deutsch-britischer Beteiligung.

• • •

26. Oktober 2006

Humboldt-Forum-Recht veranstaltet internationalen Wettbewerb – Schirmherrin ist Bundesjustizministerin Brigitte Zypries

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 21:55

Der internationale Beitragswettbewerb 2006 „Fabrikation von Recht“ ist gestartet. Bis zum 1. Dezember 2006 sind kreative Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt aufgefordert, ihre Beiträge einzureichen. Diese sollen sich auf vielfältige Art und Weise mit dem Thema auseinandersetzen und müssen für die Publikation im Internet geeignet sein. Veranstalter des Wettbewerbs ist Deutschlands erste juristische Internetzeitschrift www.humboldt-forum-recht.de (HFR). Die Bundesministerin der Justiz, Brigitte Zypries, hat die Schirmherrschaft übernommen. Der Wettbewerb wird von Bundesanzeiger-Verlag, Der Spiegel, Techniker Krankenkasse, Juris und Nomos-Verlag unterstützt. Das deutsche Rechtssystem hat qualitative Änderungen seit Ende des 20. Jahrhunderts erfahren. Woher kommt unser Recht heute? Einerseits: Findet eine Aufweichung unserer (einheitlichen?) Rechtsordnung durch Kontakt mit der Europäischen Union (EU) und den Vereinten Nationen (UNO) statt? Andererseits: Gibt es außerjuristische Einflüsse wie Sicherheitsbestreben nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, wirtschaftliche Leitideen oder Traditionen, die auf das Empfinden der Rechtsgemeinschaft einwirken? Droht die Rechtsfindung einen solchen Wandel nachzuvollziehen, gar über eine Renaissance von Generalklauseln?

Zu diesen und ähnlichen Fragen können die Beiträge Antworten geben und zur Diskussion anregen. Die Autoren sind aufgefordert, einen expliziten Standpunkt zu beziehen, das Thema aus ungewöhnlicher Perspektive zu betrachten und mutig eingetretene Pfade zu verlassen.

Die besten Beiträge werden im HFR publiziert, drei vorderste Plätze mit Geldpreisen von 750€, 450€ und 300€ prämiert und für die Plätze 4-10 attraktive Sachpreise vergeben. Einsendeschluss ist der 1. Dezember 2006, verliehen werden die Preise im Rahmen eines festlichen Empfangs mit der Bundesjustizministerin Brigitte Zypries.

Weitere Informationen zum aktuellen, den früheren Wettbewerben und HFR finden sich auf der Internetseite der Publikation unter www.humboldt-forum-recht.de.

Humboldt-Forum-Recht: Das Humboldt Forum Recht wurde 1995 an der Humboldt Universität zu Berlin gegründet und ist die erste deutsche juristische Internetzeitschrift. Ziel der ehrenamtlich tätigen Herausgeber ist es, neue Wege zu beschreiten und Beiträge aus den Schnittstellen von Recht, Politik und Gesellschaft zu veröffentlichen. Neben Veröffentlichungen von bekannten Persönlichkeiten wie Paul Kirchhof, Dieter Grimm, Jutta Limbach oder Richard von Weizsäcker werden auch Artikel junger Juristen publiziert.

Informationen Tobias Dreyer Telefon (030) 3088 2800 e-mail humboldtforum@gmail.com

• • •

Am 1. November 2006 spricht Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker in der Humboldt-Universität

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 21:52

Die Deutsche Ratspräsidentschaft steht im Zeichen neuer Initiativen für den Verfassungsprozess, sie wird aber auch darum bemüht sein, in einzelnen Politikfeldern das Einigungswerk voran zu bringen. Der Bereich Inneres und Justiz steht hierbei ebenso im Blickfeld, wie die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik. Schritt für Schritt werden sich Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union stärker bewusst, wie sehr die Politik auf der europäischen Ebene für das Alltagsleben zu Hause Bedeutung gewinnt. Die Debatten um die gemeinsame Währung und um die Dienstleistungsrichtlinie waren nur ein Anfang. Im Fall des Europäischen Haftbefehls wurde schlagartig evident, dass Abgeordnete des Bundestages für die europäische Politik mitverantwortlich sind, und dies nicht mehr nur im Bereich von Wirtschaft und Binnenmarkt. Die gegenseitige Anerkennung in vielen Bereichen, vor allem aber das geforderte gegenseitige Vertrauen auf funktionierendes Recht in den anderen Mitgliedstaaten als Grundlage der Verwirklichung eines Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zwingen die Menschen in jedem Mitgliedstaat dazu, sich auch für die Politik und die Geltung vertrauenswürdigen Rechts in den anderen Mitgliedstaaten zu interessieren. So wächst die Europäische Union in unserem Bewusstsein mehr und mehr zusammen. „Europa unterwegs zur politischen Union?“

ist der Titel der Humboldt-Rede, die Dr. Richard von Weizsäcker, ehemaliger Bundespräsident, noch vor Beginn der Deutschen Ratspräsidentschaft, am 1. November 2006 im AudiMax der Humboldt-Universität zu Berlin um 16.00 Uhr halten wird. Richard von Weizsäcker wurde 1999 von Romano Prodi als einer der „Drei Weisen“ damit beauftragt, Vorschläge zur Reform der Institutionen der Europäischen Union auszuarbeiten, um sie in die Lage zu versetzen, neue Mitgliedstaaten aufzunehmen. Die Vorschläge der Drei Weisen beflügelten eine Debatte, die durch den Vertrag über eine Verfassung für Europa ihren Abschluss finden sollte. Jetzt steht die Union vor der Erweiterung um Bulgarien und Rumänien, ohne dass die notwendigen Reformen realisiert worden wären. Europa hat mit den negativen Referenden in Frankreich und den Niederlanden auch bei uns an Zustimmung verloren. Das Fragezeichen im Titel des Vortrags kündigt eine kritische Analyse der Politik der vergangenen Jahre an. Dass der frühere Bundespräsident in der Lage ist, die Dinge beim Namen zu nennen, ist ebenso bekannt, wie seine Fähigkeit, mit behutsamen Anregungen der Politik die Richtung zu weisen. Vortrag und nachfolgende Diskussion werden von den Studierenden und Wissenschaftlern der Humboldt-Universität, aber auch von einer Vielzahl schon angemeldeter Gäste aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft und aus den Medien mit Spannung erwartet.

Die „Humboldt-Reden zu Europa“ werden vom Walter Hallstein-Institut für Europäisches Verfassungsrecht der Humboldt-Universität zu Berlin in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Nationalstiftung veranstaltet, nachdem der ehemalige Außenminister Fischer im Mai 2000 mit seiner Rede über die Finalität Europas der Verfassungsdebatte neue Impulse gegeben hatte. Die Reihe ist amtierenden und ehemaligen Staats- und Regierungschefs vorbehalten, die unseren Studenten, Kollegen und Gästen aus Wissenschaft, Politik und Praxis ihre europapolitischen Grundideen und Visionen erläutern und mit ihnen diskutieren. Soweit uns schriftliche Fassungen der Reden zur Verfügung stehen, sind diese auf der Internet-Seite des WHI unter www.whi-berlin.de publiziert.

Informationen Prof. Ingolf Pernice Telefon (030) 2093-3773 e-mail Ingolf.pernice@rz.hu-berlin.de

• • •

TAUCIS-Studie des ULD und der Humboldt-Universität veröffentlicht

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 21:51

Ohne Datenschutz bleibt der Kühlschrank leer Ubiquitäres Computing, das bei “intelligenten Kühlschränken”, die Lebensmittel nachbestellen können, eingesetzt wird, darf nicht zu Datenmissbrauch fürhren.

„Ubiquitäres Computing“ (UC) steht für „Allgegenwart der Infomationsverarbeitung“ und beschreibt die Integration von Informationstechnik in Alltagsprodukte, die insbesondere über Funktechnik miteinander kommunizieren. Beispiele für UC-Anwendungen sind der „intelligente Kühlschrank“, der die Lebensmittel des täglichen Bedarfs von selbst nachbestellt, sich selbst wartende Autos oder der „intelligente Arbeitsplatz“, der Kommunikation am Arbeitsplatz durch das Erkennen von Aufgaben proaktiv unterstützt. Wichtige Technologien, die hier zum Einsatz kommen, sind etwa die RFID-Technik (Radio Frequency Identification Device) oder Sensorennetzwerke.

Ubiquitäres Computing birgt Chancen und Risiken – Innovations- und Rationalisierungspotenziale, aber auch Datenschutzrisiken. Hierzu haben das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) sowie das Institut für Wirtschaftsinformatik an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) gemeinsam im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) eine Studie zum Thema „Technikfolgenabschätzung - Ubiquitäres Computing und informationelle Selbstbestimmung (TAUCIS)“ erstellt, die nun veröffentlicht worden ist:

• www.taucis.de • http://www.bmbf.de/pub/ita_taucis.pdf • http://www.datenschutzzentrum.de/taucis/ita_taucis.pdf

Die Studie beschreibt die rechtlichen, technischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Auswirkungen des Ubiquitären Computing und geht insbesondere darauf ein, wie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung der beteiligten Menschen gewährleistet werden kann.

Die Studie zeigt auf Basis einer empirischen Untersuchung, dass die Menschen bereit sind, sich auf allgegenwärtige Datenverarbeitung einzulassen. „Das bestehende Technikvertrauen darf aber nicht auf Grund von Kontrollverlusten in ein grundsätzliches Misstrauen umschlagen. Anwendungsfreundlichkeit, Transparenz, Wahlfreiheit und unabhängig geprüfte technische Sicherheit sind die Zaubermischung, mit der Vertrauen hergestellt werden kann“, sagte die Projektleiterin der Humboldt-Universität, Dr. Sarah Spiekermann.

„Unter Datenschutzgesichtspunkten problematisch ist vor allem die Möglichkeit zur heimlichen Überwachung der Menschen und ihres Alltagsverhaltens“, erläutert der Projektleiter des ULD und stellvertretende Landesbeauftragte für den Datenschutz Schleswig-Holstein, Dr. Johann Bizer. „Um diese Risiken zu minimieren, bedarf es datenschutzkonformer und sicherer UC-Anwendungen. Anonymität und Datensparsamkeit müssen als Standardeinstellungen in den UC-Systemen verankert sein. Sollen gleichwohl Daten personenbezogen verarbeitet werden, dann gehört die Steuerung der Verarbeitungsprozesse in die Hand der Betroffenen.“

Nach der Studie sind vor allem die Betreiber von UC-Anwendungen in der Pflicht, für eine datenschutzkonforme Gestaltung Sorge zu tragen. „Wer beispielsweise Lesegeräte aufstellt, UC-Anwendungen betreibt und in Hintergrundsystemen personenbezogene Daten verarbeitet, ist gegenüber den Betroffenen für die Rechtmäßigkeit der Verarbeitung, die Datensicherheit und die Wahrung der Datenschutzrechte auf Information und Auskunft verantwortlich und damit in der Pflicht“, so Dr. Bizer.

Noch ungelöste Probleme zeigt die Studie im Bereich der Datensicherheit von UC-Anwendungen auf: Sobald Mikrochips untereinander Informationen austauschen, werden gravierende Sicherheitsfragen der Authentizität, Integrität und Vertraulichkeit aufgeworfen. Prof. Oliver Günther von der HU Berlin: „Jeder kann sich vorstellen, was passiert, wenn bspw. Autos mit Hilfe von UC automatisch den erforderlichen Sicherheitsabstand einhalten sollen, aber die Technik die unterschiedlichen Signale nicht versteht oder Dritte die Signale manipulieren. Im Interesse des Standorts Deutschland ist es eine gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft, Wissenschaft und Staat, Lösungen zu entwickeln, mit denen die Selbstbestimmung der Betroffenen gewahrt werden kann.“ Die Studie unterbreitet hierzu Vorschläge.

Kontakt:

Dr. Johann Bizer (ULD, s.u.) Dr. Sarah Spiekermann (Humboldt Universität zu Berlin Spandauer Str. 1; 10178 Berlin Fax: +49-30-2093-5741 E-Mail: sspiek@wiwi.hu-berlin.de)

Weitere Informationen erhalten Sie beim Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein Holstenstraße 98 / 24103 Kiel Telefon: 0431 988-1200 / Telefax: 0431 988-1223 E-Mail: mail@datenschutzzentrum.de Homepage: www.datenschutzzentrum.de

• • •

18. Oktober 2006

100 Jahre Wirtschaftswissenschaften

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 16:21

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität feiert das 100-jährige Gründungsjubiläum der Handelshochschule Berlin Am 27. und 28. Oktober 2006 feiert die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät die vor 100 Jahren erfolgte Gründung einer wichtigen Vorgängereinrichtung, der Handelshochschule Berlin.

Die Festveranstaltung findet am Freitag, den 27. Oktober 2006 ab 17 Uhr im Fakultätsgebäude der Wirtschaftswissenschaften, Spandauerstraße 1 in Berlin-Mitte statt, zu der die Vertreter der Presse sehr herzlich eingeladen sind.

Begrüßung: Prof. Oliver Günther, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, über: „Von der Handelshochschule Berlin zur Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin“.

Grußworte: Prof. Dr. Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Universität Dr. Eric Schweitzer, Präsident der Industrie- und Handelskammer Berlin

Festvortrag: Prof. Berthold Leibinger, Geschäftsführender Gesellschafter der Trumpf GmbH & Co

Podiumsdiskussion „Der ehrbare Kaufmann“: Dr. Manfred Gentz, Präsident der Internationalen Industrie- und Handelskammer (ICC) Deutschland und Präsident Zurich Financial Services Prof. Berthold Leibinger, Geschäftsführender Gesellschafter der Trumpf GmbH & Co Prof. Dr. Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Universität Moderation: Prof. Dr. Joachim Schwalbach, Institut für Management, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität

Hintergrund: Bereits 1862 erfolgte an der Friedrich-Wilhelms-Universität die Gründung des Statistischen Seminars, das 1886 zu einem Staatswissenschaftlich-Statistischen Seminar ausgebaut wurde. 1906 wurde auf Initiative der Berliner Wirtschaft die Handelshochschule gegründet. Die Schule erhielt einen Neubau in direkter Nachbarschaft zur Berliner Börse – das Gebäude in der Spandauer Strasse 1, in dem die Fakultät noch heute residiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die private Handelshochschule in die wieder gegründete Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität integriert und bildete dort den Grundstein für die Betriebswirtschaftliche Abteilung.

Anfang der 90er-Jahre gab es die grundlegende Neuausrichtung, in der aus der im Wirtschaftsleben der DDR fest verankerten Sektion Wirtschaftswissenschaften die heutige Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität entstand. Heute fühlt sich die Fakultät Wissenschaft und Praxis gleichermaßen verbunden.

• • •

Erste „Deutsch-Bulgarische Hochschultage“ in Berlin

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 16:04

Am 20. und 21. Oktober 2006 veranstaltet der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) an der Humboldt-Universität zu Berlin die ersten „Deutsch-Bulgarischen Hochschultage“. Die engen bulgarisch-deutschen Beziehungen stellen sich dabei durch eine Hochschul-Informationsbörse, Podiumsdiskussionen zu verschiedenen thematischen Schwerpunkten sowie best practice - Beispielen aus der akademischen Zusammenarbeit dar. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft der bulgarischen Botschafterin. Wenige Monate vor dem EU-Beitritt Bulgariens können sich interessierte Studierende, Absolventen und Wissenschaftler in Informationsveranstaltungen und an Messeständen über das bulgarische Hochschulsystem, Studien- und Forschungsmöglichkeiten an bulgarischen Hochschulen, Austauschprogramme und Forschungsförderung sowie die bulgarische Sprache im universitären Kontext informieren. An der Informationsbörse beteiligen sich 11 bulgarische Hochschulen.

Den Auftakt der Hochschultage bildet eine öffentliche Podiumsdiskussion im Forum der Deutschen Bank zum Thema „Wirtschaft und Wissenschaft im bulgarisch-deutschen Dialog“. Zu den deutsch-bulgarischen Beziehungen im Hinblick auf den EU-Beitritt Bulgariens äußern sich Mitko Vassilev, Hauptgeschäftsführer der deutsch-bulgarischen Industrie- und Handelskammer, Kamen Vesselinov, Rektor der Technischen Universität Sofia, Ursula Seiler-Albring, Präsidentin des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) und Stefan Hormuth, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Ein weiteres Highlight der Deutsch-Bulgarischen Hochschultage ist die Podiumsdiskussion „ Ich studiere in Deutschland“. Hier geht es um die Lebens- und Studiensituation der über 12.000 bulgarischen Studierenden an deutschen Hochschulen.

In der Sektion „Deutsch-Bulgarische Hochschulprojekte stellen sich vor“ geht es um best practice-Beispiele in der deutsch-bulgarischen Hochschulzusammenarbeit. DAAD, AvH, KoWi sowie der bulgarische National Science Fund stellen Ihre Austausch- und Förderungsprogramme vor.

Höhepunkt des kulturellen Rahmenprogramms ist eine Lesung mit dem bulgarischen Autor Alek Popov (Mission London, Residenz-Verlag 2006).

Die Deutsch-Bulgarischen Hochschultage setzen die Reihe bereits etablierter bilateraler Hochschultage zwischen Deutschland und jeweils wechselnden europäischen Partnerländern fort. Spezifische Foren fördern in dieser Veranstaltungsform besonders effizient den gegenseitigen Austausch über Studienmöglichkeiten im Partnerland und insbesondere auch die Diskussion und Entwicklung gemeinsamer Projekte.

• • •

12. Oktober 2006

Internationale Konferenz zu Globalisierung und Unternehmensverantwortung vom 12.-13. Oktober 2006 an der Humboldt-Universität zu Berlin

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 21:03

„Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen“ (Corporate Responsibility, CR) ist das Thema einer internationalen Konferenz vom 12.-13. Oktober 2006 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu der von Professor Joachim Schwalbach, Institut für Management, organisierten Tagung werden über 300 Teilnehmer aus mehr als 20 Ländern erwartet. Als Referenten konnten neben namhaften Wissenschaftlern Praktiker von internationalen Unternehmen sowie renommierte Vertreter internationaler NGOs und NPOs gewonnen werden. Die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen ist in jüngster Zeit zu einem der wichtigsten Themen in Wissenschaft und Praxis geworden. Ausgelöst durch die zunehmende Globalisierung von Märkten wird von Unternehmen zunehmend die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und die Berichterstattung darüber erwartet. Nahezu täglich werden positive wie negative Beispiele von Corporate Responsibility in den Medien thematisiert. Diese Berichte zeigen, dass zahlreiche Unternehmen der Frage ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu wenig Beachtung schenken und sich den potentiell negativen ökonomischen Auswirkungen dieser Haltung zu wenig bewusst sind.

Die Konferenz an der Humboldt-Universität zu Berlin setzt sich mit den unterschiedlichsten Aspekten der Unternehmensverantwortung auseinander.

Als Auftakt referiert Professor Bradley Googins von der Boston University über die sich verändernde Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft (“/The Shifting Role of Business in Society”)/*. Im Anschluss beleuchtet Simon Longstaff vom australischen St. James Ethics Centre die Rolle von NGOs in der globalisierten Welt (“*/Dancing with the Devil: Responding to the Risk of Corporate ‘Greenwash”)./* Weitere Höhepunkte der Konferenz sind das Referat des ‘geistigen Vaters’ der Stakeholder-Theorie, Professor Richard Freeman (University of Virginia) zum Thema: “*/Managing for Stakeholders: Making CSR Work/*” und der Vortrag des ebenfalls weltweit bekannten Vertreters der CR-Forschung, Professor C.B. Bhattacharya (Boston University), der sich mit der Frage auseinander setzt, ob sich das gesellschaftliche Engagement für Unternehmen lohnt („*/Does it Pay to be a Good Citizen? A Market Based View/*”). Die Bedeutung von CR aus der Sicht der Unternehmenspraxis wird in einem Executive Panel beleuchtet, dem u.a. Frank Dassler (adidas), Manfred Krüper (E.ON) und Frank Trümper (Common Purpose) angehören, und das vom Chefredakteur des Handelsblatts, Bernd Ziesemer, moderiert wird. Ingesamt diskutieren mehr als 70 Referate das Thema der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. *

Die internationale Tagung am Institut für Management der Humboldt-Universität soll dazu beitragen, den Dialog zu Corporate Responsibility zu fördern, internationalen Austausch zu initiieren und Lösungen zu präsentieren. Die Teilnehmer sind Meinungsbildner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie Vertreter staatlicher und nicht-staatlicher Organisationen.

• • •

10 Jahre „Institute for Theoretical Biology“ der Humboldt-Universität - Symposium: Where is Theoretical Biology Heading?

Abgelegt unter: Berlin, Humboldt-Universität info @ 20:49

Als „Innovationskolleg Theoretische Biologie“ wurde das ITB 1996 an der Humboldt-Universität und Charité mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung Forschung (BMBF) gegründet. In diesen Tagen feiert das inzwischen als „Institute for Theoretical Biology“ im In- und Ausland bekannte ITB sein zehnjähriges Bestehen mit einem Festsymposium, bei dem viele international renommierte Wissenschaftler aus den experimentellen und theoretischen Biowissenschaften über neue Ergebnisse und ungelöste Fragen ihrer Arbeitsfelder sprechen (http://itb.biologie.hu-berlin.de/Events/Workshops/tenth). In diesen zehn Jahren ist die Zahl der Mitarbeiter am ITB von unter zehn auf über 70 gewachsen, neben den drei permanenten Professuren (siehe Anhang) sind vier unabhängige und durch die VolkswagenStiftung beziehungsweise DFG finanzierte Nachwuchsgruppen ans ITB gekommen, das Hauptfach „Theoretische Biologie“ wurde etabliert, viele Tagungen und Schulen durchgeführt, und neue Verbundprojekte auf den Weg gebracht. Ehemalige Mitarbeiter des ITB finden sich inzwischen weltweit in führenden Forschungsinstitutionen aber auch in Berliner BioTech-Firmen. Insgesamt sind durch das ITB Drittmittelprojekte in Höhe von weit mehr als 25 Millionen Euro initiiert worden. Aus Sicht der drei ITB-Professoren waren vor allem folgende Punkte für die Etablierung neuer Forschungsbereiche wichtig:

1. Vision: Angeregt durch neue experimentelle Techniken konnte die Biologie in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ungeahnte Fortschritte erzielen. In zentralen Bereichen der Biologie sind aber auch die Grenzen traditioneller Methoden und Konzepte deutlich geworden, nicht zuletzt aufgrund der enormen Flut zunehmend maschinell erzeugter Daten. Eine große Herausforderung bestand (und besteht auch weiterhin) deshalb darin, diese Grenzen zu überwinden und die Integration biologischen Wissens voranzutreiben. Es zeichnete sich vor allem ab, dass neue theoretische Konzepte, moderne Methoden der Datenanalyse und verfeinerte mathematische Modelle eine strategische Rolle für die weitere Entwicklung der Biologie im 21. Jahrhundert spielen würden. Es ist das große Verdienst von Prof. Rüdiger Wehner (Universität Zürich und Wissenschaftskolleg zu Berlin), dieses enorme Potential früh erkannt, und daraus zielstrebig das Konzept für ein neues Forschungsinstitut entwickelt zu haben.

2. Mischung aus lokaler und externer Expertise: In Zusammenarbeit mit Berliner Wissenschaftlern – hier sind vor allem Prof. Dr. Werner Ebeling (HU Physik), Prof. Dr. Cornelius Frömmel (Charité), Prof. Dr. Reinhart Heinrich (HU Biophysik) und Prof. Dr. Bernhard Ronacher (HU Biologie) zu nennen – anderen renommierten deutschen Forschern – u.a. Prof. Dr. Wolf Singer (MPI für Hirnforschung in Frankfurt), Prof. Dr. Christoph von der Malsburg (Universität Bochum) und Prof. Dr. Günther Palm (Universität Ulm) – und mit Unterstützung durch das Wissenschaftskolleg zu Berlin wurde das ITB etabliert. Damit war das es von Anfang an sowohl lokal verankert als auch überregional eingebunden.

3. „An einem Strang“ – vom Institut bis zur Universitätsleitung: Entscheidend für die erfolgreiche DFG-Bewerbung war auch die Bereitschaft aller beteiligten Organe der Humboldt-Universität und Charité, die Professuren des ITB nach Ablauf der fünfjährigen DFG-Finanzierung langfristig zu übernehmen. Tatkräftige Hilfe kam zudem von Prof. Ronacher, der als Sprecher des Innovationskollegs und lokaler Mentor innerhalb der Universität und darüber hinaus engagiert Überzeugungsarbeit geleistet hat – ohne selbst direkt von ITB-Mitteln zu profitieren.

4. Gemeinsame und transparente Berufung: Die drei Professoren des ITB wurden zusammen in einem öffentlichen Symposium unter großer Beteiligung der Berliner Wissenschaftsgemeinde durch eine gemeinsame Kommission mit externen Experten ausgewählt. Zusammen mit der raschen Bearbeitung durch die universitären Gremien und die Senatsverwaltung konnten die Berufungsverfahren damit in kurzer Zeit abgeschlossen werden.

5. „Ein gemeinsames Haus“ statt „my lehrstuhl is my castle“: Durch die parallele Berufung der drei ITB Professoren – die vorher nicht gemeinsam gearbeitet hatten – entstand vom ersten Moment an eine eng verbundene Gruppe von Professoren und Mitarbeitern. Miteinander sind neue Drittmittelprojekte initiiert und Lehrkonzepte entwickelt worden, durch gegenseitige Vertretung nahm die Gremien- und Verwaltungsarbeit nicht überhand. Die gesamte Infrastruktur des ITB (u.a. Sekretariat, Systemadministration) wird gemeinsam genutzt. Und: alle Gruppen des ITB sind in einem renovierten Seitenflügel des Naturkundemuseums mit gemeinsamem Seminarraum untergebracht, was den Austausch über die einzelnen Fachrichtungen hinaus sehr unterstützt.

6. Kritische Masse: Die breite fachliche Ausrichtung des ITB bei gleichzeitiger Konzentration auf inhaltlich benachbarte und methodisch verwandte Gebiete ist für Studenten, Doktoranden, Postdocs und Gastwissenschaftler attraktiv. Die daraus entstandene positive Rückkopplungsschleife hat zur Ansiedelung von bisher vier unabhängigen Nachwuchsgruppen geführt. Heute umfasst das ITB bei ca. 10 Hausstellen mehr als 70 Wissenschaftler aus über 15 Ländern.

7. „Fordern & Fördern“ – Integration von Studenten: Die Fähigkeiten angehender Biologie-Studenten im Bereich der Mathematik und des analytischen Denkens sind oft nicht befriedigend – umgekehrt sind diese Fähigkeiten absolut notwendig, um Biologie als moderne Naturwissenschaft betreiben zu können. Das ITB engagiert sich deshalb schon im Grund- bzw. Bachelor-Studium mit Vorlesungen und intensiven Tutorien (6-8 Studenten pro Tutor) in der Mathematik-Grundausbildung. Die Tutoren werden durch ihre Arbeit am ITB automatisch an dessen Forschungsprojekte herangeführt und stellen als hoch motivierte Studenten einen wichtigen Teil des wissenschaftlichen Nachwuchses.

8. Effektive and flexible Mittelverwaltung: In enger und unbürokratischer Zusammenarbeit von Humboldt-Universität, Charité, DFG, BMBF, Alexander-von-Humboldt Stiftung, VolkswagenStiftung, Studienstiftung und anderen Stiftungen konnten Mittel fast immer mit hoher Effizienz eingesetzt und kurzfristig auftauchende Lücken überbrückt werden. Von besonderer Bedeutung waren Gästemittel, mit denen seit ITB-Gründung mehr als 500 Gastwissenschaftler eingeladen werden konnten.

9. Offenheit für neue Entwicklungen: Das ITB versteht sich als Ort des intensiven Austauschs für alle an Lebenswissenschaften interessierten Forscher im Berliner Raum – von den Natur- bis zu den Sozial- und Geisteswissenschaften. Dies schließt insbesondere ein, dass neue Forschungsimpulse aufgegriffen und in konkrete Projekte umgesetzt werden. Eine enge Fixierung auf die ursprüngliche Thematik des ITB würde der Dynamik der modernen Lebenswissenschaften nicht gerecht werden. In verschiedenen Konstellationen sind deshalb eine ganze Reihe neuer Forschungsverbünde mit unterschiedlichen Schwerpunkten etabliert worden (siehe Anhang). Viele dieser Projekte widmen sich konkreten Fragestellungen für eine begrenzte Zeit, womit auch die Gefahr einer inhaltlichen und institutionellen Verkrustung verringert wird. Vor allem aber zeigt die Geschichte des ITB, dass strategisch eingesetzte Ressourcen einer Universität zu sich selbst verstärkenden wissenschaftlichen Aktivitäten führen, die auch im internationalen Wettbewerb keinen Vergleich scheuen müssen.

Anhang – ITB Kerndaten:

- Koordinatoren der Erstantragsstellung (1994): Prof. Dr. W. Ebeling (HU Physik), Prof. Dr. C. Frömmel (Charité), Prof. Dr. R.Heinrich (HU Biophysik), Prof. Dr. B. Ronacher (HU Biologie), Prof. Dr.Rüdiger Wehner (Universität Zürich Wissenschaftskolleg) - DFG-Förderung: 1996-2001 als „Innovationskolleg Theoretische Biologie“ (INK 7) - Seit 2002: FachInstitut für Theoretische Biologie - Seit 2003 „Hauptfach Theoretische Biologie“ im Biologie Diplom-Studium - 3 Professuren o Prof. Dr. Peter Hammerstein (HU Biologie): Organismische Evolution o Prof. Dr. Andreas V.M. Herz (HU Biologie): Theorie neuronaler System o Prof. Dr. Hanspeter Herzel (Charité): Molekulare und zelluläre Evolution Zweitmitgliedschaften in Charité (Hammerstein, Herz) / Math.-Nat. Fak I (Herzel) - Derzeit 4 Nachwuchsgruppen o Dr. Laurenz Wiskott: Neural Computation (VW-Stiftung) o Dr. Michal Or-Guil: Theoretische Immunologie (VW-Stiftung) o Dr. Richard Kempter: Theoretische Neurobiologie (DFG: Emmy-Noether Programm) o Dr. Markus Kollmann: Theoretische Systembiologie (DFG: Emmy-Noether Programm) - Derzeit ca. 70 Mitarbeiter (davon nur ca. 10 Hausstellen, Rest: drittmittelfinanziert) aus mehr als 15 Ländern - Werdegang bisheriger Mitarbeiter: Vier Rufe auf Professuren, mehrere Emmy-Noether und HFSP Stipendiaten, Eigenständige DFG-Projekte, Gründer und Mitarbeiter von BioTech-Firmen, Unternehmensberater, Tätigkeit an deutschen und internationalen Universitäten und nichtuniversitären Forschungseinrichtungen … - 10 Herbstschulen mit unterschiedlichsten Themen der modernen Biologie – von „Musterbildung“ bis „Altern“; Organisation von mehr als 30 Tagungen und Workshops - Mehr als 500 Gastwissenschaftler - Initiierung und/oder Beteiligung an größeren Verbundprojekten (seit der Gründung des ITB: Einwerbung von mehr als 25 Mio. Euro Drittmittel): o DFG-Sonderforschungsbereich 618 „Theoretische Biologie – Robustheit, Modularität und Evolutionäres Design lebender Systeme“ o BMBF Plattform „Neuroinformatik“ o BMBF Verbund „Systembiologie“ o Berlin Center for Genome-Based Bioinformatics o Bernstein-Zentrum für Computational Neuroscience o Zentrum für Biophysik und Bioinformatik der Humboldt-Universität zu Berlin o Fünf DFG-Graduiertenkollegs o Studiengänge: Molecular Medicine, Medical Neuroscience, Computational Neuroscience

• • •
Nächste Seite »
Powered by: WordPress • Template by: Priss