Am kommenden Montag, den 25. September 2006, starten die XML-Tage 2006 in Berlin. In Form von Vorträgen, Expertenforen, Tutorials und einer Begleitausstellung dreht sich bis zum 27. September alles um das Thema XML. Mit über 500 angemeldeten Tagesbesuchern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik sind die XML-Tage in Berlin die führende deutschsprachige Konferenz zu XML-Technologien. XML steht für „Extensible Markup Language“ und ist die nächste Generation der Internetsprache HTML. Durch den weitverbreiteten Einsatz des Internets in Geschäftsprozessen ist sie als Standardsprache unverzichtbar geworden. Als Integrationstechnologie ermöglicht XML den problemlosen Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen Informationssystemen wie Geschäftsdatenverwaltung oder Content-Management-Systemen. Neue Web-basierte Systeme wie Semantic Web, Web Services oder GRID-Technologien werden auf der Grundlage von XML entwickelt und realisiert.
Die XML-Tage in Berlin 2006 nehmen diese Entwicklung auf und bieten sowohl Entwicklern als auch Anwendern das geeignete Forum, sich umfassend über Trends und Standards auszutauschen. Die Veranstaltung beinhaltet eine Konferenz mit zahlreichen Schwerpunktthemen und wird durch zusätzliche Events ergänzt. Neben dem W3C-Tag, mehreren Tutorials und dem Web 2.0 Infotag findet auch in diesem Jahr wieder das XML-Wirtschaftsforum statt. Themenschwerpunkte des Forums mit Fachvorträgen aus der Unternehmenspraxis sind E-Learning und Unternehmensportale. Neu in diesem Jahr ist das Forum E-Justice, das sich an alle – auch potenzielle – Anwender des elektronischen Rechtsverkehrs in der Justiz wendet.
Konferenz:
Die Konferenz auf den XML-Tagen in Berlin leistet einen aktiven Beitrag zur Grundlagenforschung und fördert die Weiterentwicklung zahlreicher XML-Anwendungen. Unter dem Vorsitz von Dr. Rainer Eckstein von der Humboldt-Universität zu Berlin und Professor Robert Tolksdorf von der Freien Universität Berlin ist es gelungen, renommierte Wissenschaftler als Auftaktredner für alle drei Konferenztage zu gewinnen.
„What’s Wrong with the Semantic Web“ fragt Heiner Stuckenschmidt von der Universität Mannheim in seinem Eröffnungsvortrag am ersten Tag der Konferenz. Unter „Semantic Web“ werden eine Reihe von Technologien zur Darstellung und Verarbeitung von Wissen im World Wide Web verstanden. Stuckenschmidt spricht darüber, welche Chancen, aber auch Probleme, in bereits entwickelten Technologien stecken. Insbesondere weißt er darauf hin, dass manche der bisher aufgetretenen Probleme nicht nur technisch, sondern auch konzeptionell bedingt sind.
Über die technischen Hintergründe und die Erfahrung mit sogenannten Folksonomy-Systemen referiert Andreas Hotho von der Universität Kassel zu Beginn des zweiten Konferenztages. „Folksonomy“, ein Kunstbegriff zusammengesetzt aus englisch „folk“ (Leute) und „taxonomy“ (Klassifizierung), bedeutet übersetzt soviel wie „Klassifizierung durch die Leute“. Gemeint sind damit Systeme, die es den Benutzern einer Wissensdatenbank erlauben, Inhalte selbst mit Schlagwörtern zu versehen. Hotho stellt in seinem Vortrag das soziale Lesezeichenverwaltungssystem BibSonomy vor, das seinen Benutzern den einfachen Aufbau einer gemeinsamen Wissensbasis im Netz möglich macht. Entscheidend dafür ist, „algorithmisch den Aufbau von Strukturen ähnlich dem Semantic Web zu unterstützen, die Methoden aber hinter einer einfachen und für den Benutzer leicht verständlichen Oberfläche zu verbergen“.
Ivan Herman vom World Wide Web Consortium (W3C) widmet sich dagegen ganz allgemein Fragen zum Semantic Web. In seiner einleitenden Präsentation am dritten Tag der Konferenz gibt er zunächst einen allgemeinen Überblick über das, was das Semantic Web eigentlich ist. Dabei fokussiert er auf die wichtigsten Problemstellungen und Anwendungsfelder. Sein Ziel ist es, Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zu liefern und falschen Vorstellungen vom Semantic Web entgegenzutreten. Zur Veranschaulichung zeigt Herman die Einsatzmöglichkeiten von Semantic-Web-Anwendungen in der realen Welt.
An den ersten beiden Konferenztagen findet im Anschluss an die Auftaktvorträge die Präsentation der eingereichten Beiträge und Poster statt. Aus den zahlreichen Einsendungen hat die Jury 13 Vorträge und 8 Posterpräsentationen ausgewählt. Die Schwerpunkte der Konferenz sind Semantic Web, Web Services und XML und Datenbanken. Das Themenspektrum der vorgestellten Beiträge ist stark auf die Praxis bezogen und reicht von Anwendungen im E-Business über E-Government und E-Health bis hin zu Sprachverarbeitung, Publishing und Content Management. Die Konferenz ist damit ein ideales Forum zum Austausch wissenschaftlicher Ergebnisse auf dem Gebiet angewandter XML-Technologien.