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26. Oktober 2006

Naturwissenschaftliche Fakultät II der Universität Erlangen-Nürnberg - Prof. Dr. Johann Gasteiger zum 65. Geburtstag

Prof. Dr. Johann Gasteiger, Professor am Institut für Organische Chemie und am Computer-Chemie-Centrum der Universität Erlangen-Nürnberg, feiert am Freitag, 27. Oktober 2006, seinen 65. Geburtstag.

Johann Gasteiger, geboren in Dachau, absolvierte sein Chemiestudium in München und Zürich. Er promovierte 1971 an der Universität München und verbrachte danach ein Jahr als Postdoktorand an der University of California in den USA. 1972 wurde er zum Akademischen Rat, anschließend zum Akademischen Direktor an der Technischen Universität München ernannt, wo er 1979 habilitierte. 1988 folgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor.

1994 wechselte er auf eine C3-Professur für Organische Chemie an die Universität Erlangen-Nürnberg. Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit Prof. Dr. Paul von Ragué Schleyer und PD Dr. Tim Clark das Computer-Chemie-Centrum der Universität, das die Möglichkeiten der Computertechnologie zur Verarbeitung chemischer Information nutzt. Die Chemoinformatik klassifiziert, modelliert und plant mit Hilfe wissensbasierter Systeme den Ablauf und die Ergebnisse von chemischen Reaktionen im Detail und weist damit neben der Bioinformatik Wege zur Synthese von maßgeschneiderten Medikamenten.

In der Forschung konzentrierte sich Prof. Gasteiger auf die Entwicklung von Methoden und Computerprogrammen zur Reaktionsvorhersage und Syntheseplanung, zur Analyse und Simulation von Infrarot- und Protonenresonanzspektren, zur Molekül- und Reaktionsmodellierung, zur Vorhersage physikalischer, chemischer und biologischer Eigenschaften von organischen Verbindungen und zur Auffindung neuer Leitsubstanzen mit biologischer Aktivität. Seine Arbeitsgruppe im Computer-Chemie-Centrum hat wesentlich zum Aufbau umfassender Chemie-Datenbanken beigetragen. Schon frühzeitig befasste sich Prof. Gasteiger außerdem mit dem Einsatz von künstlichen neuronalen Netzen und genetischen Algorithmen zur Behandlung komplexer Problemstellungen in der Chemie.

In den Jahren 1985-87 war Prof. Gasteiger für das Beilstein-Institut in Frankfurt/Main und das Fachinformationszentrum (FIZ) Chemie in Berlin als Berater tätig.1987-1991 leitete er ein Projekt des FIZ Chemie zum Aufbau einer Reaktionsdatenbank. In der Gesellschaft Deutscher Chemiker übernahm er mehrmals wichtige Funktionen. Für seine Verdienste um die Computerchemie wurde er im In- und Ausland geehrt, zuletzt 2006 mit dem American Chemical Society Award for Computers in Chemical & Pharmaceutical Research.

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Neue Vortragsreihe des Collegium Alexandrinum - Von Engeln, Informatik und Franken in Bayern

Im Rahmen der Vorlesungsreihe Collegium Alexandrinum bietet die Universität Erlangen-Nürnberg im Wintersemester 2006/07 allen Interessenten wieder Vorträge aus verschiedenen Forschungsbereichen an. Die Vorträge beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit dem Informatikjahr, mit Engeln in Kunst und Literatur und mit der Geschichte der Franken in Bayern. Die Vorträge finden jeweils donnerstags, um 20.15 Uhr, in der Aula des Erlanger Schlosses statt. Daneben bieten Dozenten der Uni Erlangen-Nürnberg jeweils samstags, um 10.00 Uhr, Führungen durch die Sammlungen der Universität, den Botanischen Garten, Erlangen, und durch die Ausstellung *200 Jahre Franken in Bayern” im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, an.

Schwerpunkt Informatikjahr 26. Oktober 2006 Verteilte Systeme auf Rädern Prof. Dr. Wolfgang Schröder-Preikschat, Institut für Informatik

2. November 2006 Mittelalterliche Weltkarten digital. Neue Methoden, neue Fragen, neue Antworten? Prof. Dr. Hartmut Kugler, Lehrstuhl für Germanische und Deutsche Philologie Prof. Dr. Günther Görz, Institut für Informatik

9. November 2006 Selbstreparierende Computer - Spinnerei oder Notwendigkeit? Prof. Dr. Jürgen Teich, Institut für Informatik

Schwerpunkt Engel 16. November 2006 Zurück zu den Engeln. Theologische Impulse aus der modernen Lyrik Prof. Dr. Martin Nicol, Lehrstuhl für Praktische Theologie

23. November 2006 Die welschen Kindlein. Überlegungen zu Form und Funktion in der spätmittelalterlichen Tafelmalerei. Manuel Teget-Welz, Graduiertenkolleg Kulturtransfer im Europäischen Mittelalter

30. November 2006 Engel im Film Prof. Dr. Kay Kirchmann, Institut für Theater- und Medienwissenschaft

7. Dezember 2006 Engel in der Literatur des Mittelalters Prof. Dr. Susanne Köbele, Professur für Germanische und Deutsche Philologie (Komparatistische Mediävistik) Zum Ausklang des Jahres 14. Dezember 2006 Von sterbenden Sternen - Astronomie im Gammastrahlenbereich Prof. Dr. Christian Stegmann, Lehrstuhl für Experimentalphysik (Astroteilchenphysik)

21. Dezember 2006 Zur Weihnacht Nüsse aus aller Welt Prof. Dr. Karl Knobloch, Nürnberg

200 Jahre Franken in Bayern 11. Januar 2007 1806: Ende und Anfang deutscher Geschichte Prof. Dr. Helmut Neuhaus, Lehrstuhl für Neuere Geschichte

18. Januar 2007 Franken wird bayerisch: Aus dem Alten Reich in einen neuen Staat Prof. Dr. Werner Blessing, Professur für Neuere Geschichte und Landesgeschichte

25. Januar 2007 Franken in Bayern - Probleme einer *Zwangsehe”. Prof. Dr. Wolfgang Wüst, Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte

1. Februar 2007 Fränkische Identität am Anfang des 21. Jahrhunderts Prof. Dr. Hartmut Heller, Professur für Landes- und Volkskunde, Nürnberg

8. Februar 2007 Machtwechsel. Reichsstädtische Literatur und der Verlust der politischen Selbstständigkeit 1806. PD. Dr. Werner Wilhelm Schnabel, Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft

Führungen Jeweils samstags, um 10.00 Uhr.

28. Oktober Informatik-Sammlung Erlangen Treffpunkt: Eingang zum Rechenzentrum, Martensstraße 1 Führung: Dr. Franz Wolf, Rechenzentrum

11. November Schloss, Schlossgarten und historische Bauten der Universität am Schlossgarten Treffpunkt: Schlossplatz vor dem Eingang zum Schloss Führung: Bernhard Wieser

18. November Röthelheim-Campus der Universität (ehemalige Artillerie-Kaserne) Treffpunkt: Feuerbach-Gedenkstein am Ludwig-Feuerbach-Platz neben Unicum Führung: Bernhard Wieser M.A.

2. Dezember Antikensammlung Kochstraße 4, Eingang von Parkplatz B, Hindenburgstraße Führung: Dr. Martin Boss

9. Dezember Martius-Pharmakognosie-Sammlung: Ingwer, Kardamom und Kurkuma Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie, Schuhstraße 19 Führung: Prof. Dr. Karl Knobloch

16. Dezember Botanischer Garten: Führung durch die Gewächshäuser Treffpunkt: Eingangshalle zu den Gewächshäusern Führung: Dr. Peter Titze

13. Januar Vor- und Frühgeschichtliche Sammlung Kochstraße 4, Zugang auf der Seite der Bismarckstraße, Kellereingang rechts Führung: Dr. Christian Züchner

20. Januar Anatomische Sammlung Anatomisches Institut, Krankenhausstraße 9 Führung: Prof. Dr. Winfried Neuhuber

3. Februar Medizinische Sammlung Artilleriestraße 70, Hofgebäude Führung: Dr. Marion Maria Ruisinger

10. Februar Franken und Bayern im Germanischen Nationalmuseum Treffpunkt: Eingang zum Museum Führung: Dr. Alfred Kröner, Oberasbach Kosten: Eintrittspreis in das Museum

Weitere Informationen: www.collegium-alexandrinum.de

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Die Ingolstadt Institute der Friedrich-Alexander-Universität - Start der Kooperation mit der Audi AG

Im Fokus steht die Förderung junger Wissenschaftler: Die AUDI AG, die Universität Erlangen-Nürnberg und die Stadt Ingolstadt werden künftig durch das Zusammenspiel von Theorie und Praxis Nachwuchsforscher im technischen Bereich verstärkt qualifizieren. INI.FAU (Ingolstadt Institute der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) lautet der Titel dieser Kooperation, die vom Wintersemester 2006/2007 an Nachwuchskräfte drei Jahre lang auf ihrem Weg zur Promotion begleitet. (www.ini.fau.de) Angesiedelt sind die INI.FAU im SE-Zentrum (Simultaneous Engineering) in Ingolstadt. Dort werden die ersten vier Doktoranden von den Lehrstühlen für Multimediakommunikation und Signalverarbeitung (Prof. Dr. André Kaup), für Informatik 4 (Verteilte Systeme und Betriebssysteme) (Prof. Dr. Wolfgang Schröder-Preikschat), Informatik 7 (Rechnernetze und Kommunikationssysteme) (Prof. Dr. Reinhard German) sowie Informatik 12 (Hardware-Software-Co-Design) (Prof. Dr. Jürgen Teich) in Kürze ihre Forschungsarbeiten beginnen. Jedem von ihnen steht ein Fachbetreuer der AUDI AG zur Seite. *Mit dieser Symbiose von Wissenschaft und Industrie ermöglicht Audi Nachwuchsförderung, moderne Forschung, Innovationen und nachhaltige Mobilität”, erklärte Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorsitzender des Vorstandes der AUDI AG, anlässlich der Auftaktveranstaltung am Dienstag, 24. Oktober 2006, in Ingolstadt.

Software, Elektronik, Werkstoffe - das sind die Themengebiete, mit denen sich die Wissenschaftler beschäftigen werden. Die Elektronik in den Fahrzeugen entwickelt sich rasant. Es gilt, verschiedene Fahrzeugsysteme zu vernetzen, um den Pkw noch sicherer, komfortabler und sportlicher zu machen. Die INI.FAU-Kooperation soll dazu beitragen, diese Herausforderung kreativ zu lösen. Die jungen Wissenschaftler sollen im Rahmen ihrer Projektarbeit immer mehr Funktionen in die Fahrzeuge integrieren und sie gleichzeitig für den Fahrer funktionaler gestalten.

Ziel der INI.FAU ist es, ein wissenschaftliches Kompetenzzentrum zu schaffen, in dem Wissenschaft und Praxis Hand in Hand gehen. Dementsprechend fördert die Kooperation nicht nur Doktoranden, sondern wird Studenten auch Studien- und Diplomarbeitsthemen anbieten. Eine Besonderheit ist dabei die interdisziplinäre Ausrichtung der INI.FAU: Teilnehmen können Wissenschaftler verschiedenster Fakultäten. *Ich kann mir gut vorstellen”, sagt Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, *dass hier im Idealfall ein Physiker, ein Psychologe, ein Maschinenbauer und ein Mediziner unserer Universität zusammenarbeiten. Denn die Stärke unserer Universität liegt in ihrer Fächervielfalt, die einen Fundus für neue fachübergreifende Vernetzungen und innovative Profile liefert.”

Die Finanzierung der INI.FAU erfolgt projektbezogen durch die AUDI AG, die gemeinsam mit der Universität Erlangen-Nürnberg die Forschungs- und Entwicklungsprojekte festlegt. Ein durch die Universität und Audi paritätisch besetzter Steuerungskreis garantiert die wissenschaftliche und unternehmensseitige Relevanz der inhaltlichen Schwerpunkte.

Die Industrieförderungsgesellschaft der Stadt Ingolstadt (IFG) unterstützt die Kooperation mit einer Spende zur Finanzierung der EDV-Erstausstattung des Instituts im SE-Gebäude. Denn nicht nur die Universität und Audi profitieren: Die INI.FAU bringen den wissenschaftlichen Nachwuchs an den Standort Ingolstadt, fördern den Wissenstransfer und stärken damit die Innovationskraft der Region. Oberbürgermeister Dr. Alfred Lehmann betont: *Ingolstadt war der Sitz der ersten und lange Zeit einzigen Bayerischen Landesuniversität. Es ist sehr erfreulich, dass die Stadt an diese herausragende universitäre Tradition anknüpfen konnte und nach der Wirtschaftswissen-
schaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Fachhochschule Ingolstadt und INI.TUM nun mit INI.FAU ein weiterer Mosaikstein zum Wissenschaftsstandort Ingolstadt angefügt werden kann.”

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist die größte Universität in Nordbayern. 26.000 Studierende sind an den elf Fakultäten immatrikuliert, von denen sich neun in Erlangen, zwei in Nürnberg befinden. Die Stärke der Universität mit ihren 83 Instituten, 550 Professoren und 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern liegt in ihrer Fächervielfalt, die einen Fundus für neue, fachübergreifende Vernetzungen und innovative Profile liefert. Einmalig für Bayern ist die enge Zusammenarbeit zwischen der Medizinischen Fakultät, den Naturwissenschaftlichen Fakultäten und der Technischen Fakultät, die sich beispielsweise in der Medizintechnik oder der Biotechnologie niederschlägt. Für die Qualität der Forschung bürgen elf Sonderforschungs- und Transferbereiche, sechs DFG Forschergruppen und sieben Graduiertenkollegs.

Die INI.FAU sind eine Ergänzung zu INI.TUM, der bereits bestehenden Kooperation mit der Technischen Universität München. Diese läuft seit dem Wintersemester 2003/2004 erfolgreich. Daher spannt Audi das Netz aus Wissenschaft und Industrie nun weiter in den Norden Bayerns - nach Erlangen und Nürnberg.

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Neues Produktionsverfahren zur optischen Signalübertragung - Noch schneller auf der Datenautobahn

Immer leistungsfähiger werden die Chips, die heutzutage das Herzstück von Computern, aber auch von Autos oder Industriemaschinen sind. Doch was nützt ein blitzschnell arbeitender Prozessor oder Speicher, wenn die Daten von dort aus nur relativ langsam zum nächsten Bauteil auf der Leiterplatte übertragen werden? Schnelle Glasfaserverbindungen gelten als das Transportmedium der Zukunft und haben in vielen Bereichen schon die herkömmlichen Kupferleitungen abgelöst. Doch Leiterplatten mit solchen optischen Fasern ließen sich bisher nicht wirtschaftlich verarbeiten. Das ist Vergangenheit: Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik (FAPS) der Universität Erlangen-Nürnberg um Prof. Dr. Klaus Feldmann haben in einem größeren Verbundprojekt ein automatisiertes Verfahren entwickelt, in dem solche Baugruppen in großen Stückzahlen zu günstigen Kosten gefertigt werden können. Das ist für die Industrie höchst interessant.

Optische Fasern aus Glas, aber immer häufiger aus Kunststoffen (so genannten Polymeren) haben gegenüber Kupferleitungen viele Vorteile: In ihnen lassen sich deutlich größere Datenmengen in viel kürzerer Zeit übertragen, und sie reagieren auf äußere Einflüsse weniger störanfällig. In der Telekommunikation haben Glasfaserkabel die Kupferleitungen deshalb schon fast völlig verdrängt. Auf Leiterplatten bisher noch nicht, denn es fehlte an einem Produktionsverfahren, mit dem einzelne Bauteile mit der nötigen Präzision positioniert werden können. Dabei kommt es auf Mikrometer - also Tausendstel Millimeter - an.

Will man Daten in solchen optischen Fasern übertragen, müssen die Informationen, die als elektronische Signale vorliegen, zunächst in kurze Lichtpulse übersetzt werden. Das geschieht in einer Sendeeinheit auf der Leiterplatte. Die schickt die Lichtpulse in die Polymerfaser, wo die Daten bis zur Empfängereinheit übertragen und in elektrische Signale zurückübersetzt werden. *Die kritischen Punkte bei der Übertragung sind die Schnittstellen zwischen Sender und Faser bzw. Faser und Empfänger”, erklärt Michael Rösch vom Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik. Diese Module stehen in keinem direkten Kontakt zur Polymerfaser, die in die Leiterplatte eingebettet ist. Sender und Empfänger sind in einigem Abstand darüber montiert. Der Sender schickt einen gebündelten Lichtstrahl in die darunter liegende Faser. Die Stelle, die er dabei treffen muss ist winzig klein, nur etwa 70 mal 70 Mikrometer. Ungefähr genau so groß ist der Punkt, den der Lichtstrahl auf seinem Weg von der Faser zur Empfangseinheit finden muss. Die nötigen Bauteile müssen also überaus genau ausgerichtet werden.

Bei der Verarbeitung von Leiterplatten, auf denen die Daten über Kupferbahnen übertragen werden, ist diese hohe Genauigkeit nicht nötig. Hier werden Sender und Empfänger aufgelötet. Doch bis das flüssige Metall erstarrt, können sich die Module um wenige Mikrometer verschieben. Das darf bei der Herstellung von Leiterplatten mit Polymerfasern nicht passieren. Deshalb haben die Ingenieure der Universität Erlangen-Nürnberg im Projektverbund mit mehreren Industriepartnern ein ausgefeiltes Produktionsverfahren entwickelt: Sie kleben die Bauelemente zunächst mit einem Spezialkleber auf und härten die Verbindung mit UV-Licht. Dann kann gelötet werden. Das Löten fixiert nicht nur die Bauteile, sondern sichert auch deren elektronischen Kontakt zur Leiterplatte. Schon vor dem Kleben wurde ein wenig Lotpaste - winzig kleine Metallkügelchen - unter den Bauelementen aufgetragen. Die wird nun in einem Lötofen geschmolzen, ohne dass sich die Module auf dem flüssigen Metall verschieben können.

Die gesamte Prozesskette zur Montage läuft vollautomatisch in einer Fertigungsanlage. Dazu haben die Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg im Rahmen ihres Forschungsprojektes AMOB (Automatisierte Montage optischer Bauelemente auf Substrate mit integrierten Lichtwellenleitern) bereits bestehende Hochleistungssysteme verändert und zusätzliche Teilprozesse integriert.

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EU-Außenpolitik in der Vortragsreihe *Europa-Dialog Erlangen” - Die Europäische Union als globaler Akteur

Zunehmend verfolgt die Europäische Union die politische Linie, nach außen als Einheit aufzutreten und weltweit verstärkte Präsenz zu zeigen. Das Erlanger Institut für Politische Wissenschaft und die Sektion *Regionen in Europa” des Zentralinstituts für Regionalforschung der Universität Erlangen-Nürnberg untersuchen ab dem 24. Oktober 2006 in der Vortragsreihe *Europa-Dialog Erlangen”, welche Rolle der EU künftig im internationalen System zukommen kann und soll. Jeweils dienstags um 18.15 Uhr in Raum 0.024 des Kollegienhauses, Universitätsstr. 15 in Erlangen werden Vertreter aus Politik und Wissenschaft verschiedene Aspekte der Thematik ansprechen. Umfragen des Eurobarometers zeigten in den vergangenen Jahren, dass die meisten Bürger der Europäischen Union mit 67 Prozent im EU-Durchschnitt eine gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik befürworten würden. Dennoch haben der Kriseneinsatz der EU in der Demokratischen Republik Kongo im Sommer und die Beteiligung an den UN-Friedenstruppen im israelisch-libanesischen Konflikt in den vergangenen Monaten erneut für Diskussion um die künftige Rolle der EU als *global player” gesorgt. In dieser Debatte sind die Außenminister der Europäischen Union zwar bemüht, sich einig zu präsentieren. Je weiter das Krisenmanagement jedoch über die eigene Peripherie hinausreicht, desto kritischer werden die Stimmen. Darüber hinaus steht die Union vor großen Herausforderungen hinsichtlich ihrer Positionierung in anderen, die Außenpolitik unmittelbar berührenden Fragen wie der künftigen Energieversorgung oder dem Umgang mit der neuen Nachbarschaft.

In der Reihe *Europa-Dialog Erlangen” beantwortet der stellvertretende Abteilungsleiter für Außen- und Sicherheitspolitik im Bundeskanzleramt Rolf Nikel am 24. Oktober 2006 Fragen der Europäischen Außen- und Sicherheitspolitik. Am 7. November diskutiert Frank Umbach von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin die Möglichkeit einer gemeinsamen Energie-Außenpolitik. Joachim Herrmann, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion, wird am 21. November die Grenzen Europas ausleuchten. Victor Mauer von der ETH Zürich überprüft am 28. November die Rolle der EU im Kampf gegen den Terrorismus. Die türkische Außenpolitik erläutert Hüseyin Bagci, Professor für Internale Politik aus Ankara, am 5. Dezember, und Jens van Scherpenberg, Leiter der Forschungsgruppe Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, entwickelt am 12. Dezember eine *Vision für den Atlantischen Wirtschaftsraum”.

Die Vortragsreihe wird in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung durchgeführt. Die Vorträge sind öffentlich, und es ist keine Anmeldung erforderlich. Das Programm ist unter www.regionalforschung-erlangen.de im Internet einzusehen.

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Strukturreform der Bayerischen Universitäten - Uni Erlangen-Nürnberg profitiert von Stellenrückverteilung aus dem Innovationsfonds

*Die Entscheidung des Bayerischen Wissenschaftsministeriums über die Rückverteilung von Personalstellen aus dem Innovationsfonds werten wir als großen Erfolg für die Universität Erlangen-Nürnberg. Schließlich hat die Universität im Rahmen des Innovationsbündnisses im bayernweiten Wettbewerb vier Stellen mehr zurückerhalten als sie abgeben musste”, sagt Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg. Von den insgesamt 240 Stellen, die in einem hochschulübergreifenden Wettbewerb vergeben werden, fließen 40,2 so genannte Stellenäquivalente mit einem Wert von rund zwei Millionen Euro im Jahr an die Uni Erlangen-Nürnberg zurück. Das Wissenschaftsministerium folgte damit der Empfehlung einer unabhängigen Expertenkommission unter Leitung des Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker.

*Mit diesen Stellen werden wir unsere in den Zielvereinbarungen festgelegten Schwerpunktbereiche stärken und das wissenschaftliche Profil der Universität weiter schärfen”, kündigt Rektor Grüske an.

Die Empfehlungen der Expertenkommission sehen unter anderem vor:

- die Stärkung der Molekularen Biomedizin durch Aufbau eines Labors für integrierte funktionelle Genomik (3 Mitarbeiter),
- die Verstärkung des Forschungsschwerpunkts *Neue Materialien und Prozesstechnik” durch die personelle Ausstattung des in der Zielvereinbarung neu vorgesehenen Lehrstuhls für Biomaterialien sowie durch Einrichtung eines *Erlangen Catalysis Resource Center”, in dem auf dem Arbeitsgebiet der Katalyse Chemiker und Chemieingenieure zusammengeführt werden (2 Professuren und 8,5 Mitarbeiter),
- den weiteren Ausbau des Schwerpunktbereichs *Optik und Photonik” durch Personalausstattung des in der Zielvereinbarung neu vorgesehenen Lehrstuhls für Photonische Technologien sowie durch Personalverstärkung der Max-Planck-Forschergruppe für Optik, Information und Photonik (2 Professuren und 7 Mitarbeiter),
- die Strukturelle Verstärkung der Teilchen- und Astrophysik (2 Mitarbeiter),
- Einrichtung eines Zentrums für Islam und Recht (4,5 Mitarbeiter),
- die Bereitstellung von Juniorprofessoren für die Bereiche *Arabistik” (plus 0,5 Mitarbeiter), *Zeitgeschichte Chinas” (plus 0,5 Mitarbeiter), *Variationslinguistik und Sprachkontaktforschung” (plus 0,5 Mitarbeiter) sowie für *Sport- und Bewegungsmedizin” (plus 0,5 Mitarbeiter)
- sowie die Stärkung der Lehrerbildung durch eine Professur für Migration und Bildung (plus 0,5 Mitarbeiter).

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Moderne Medizin mit Tradition - 100 Jahre Hautklinik

Die Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Prof. Dr. Gerold Schuler) kann auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken: Am 20. Oktober 1906 wurde Leonhard Hauck zum *Oberarzt an der neuen Abteilung mit Ambulatorium für Hautkrankheiten an der Medizinischen Klinik” ernannt. Dies stellt die Geburtsstunde der universitären Dermatologie in Erlangen dar, die sich bereits Jahrzehnte zuvor noch im Rahmen der Inneren Medizin entwickelt hatte. Geschlechtskrankheiten und andere Infektionskrankheiten hatten im Laufe der Jahre eine solche Bedeutung erhalten, dass eigenständige Bereiche unter Leitung entsprechender Fachleute nötig waren. Die Etablierung einer Abteilung für Hautkrankheiten entsprach der Entwicklung im deutschsprachigen Raum Ende des 19. Jahrhunderts, als sich die Dermatologie zunehmend von der Inneren Medizin emanzipiert hatte. Leo Hauck (1874 - 1945) war in der Folge 1910 - 1923 außerordentlicher Professor an der Medizinischen Klinik und 1924 - 1945 ordentlicher Professor für Dermatologie. 1923 gelang es ihm, die Dermatologische Klinik in einem eigenen Gebäude an ihrem bis heute aktuellen Standort in der Hartmannstraße zu etablieren. Mit kurzen Unterbrechungen in der Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges ist die Hautklinik seither in diesem ehemaligen Garnisonslazarett untergebracht. Mehrfache Umbaumaßnahmen, zuletzt in der Zeit von 1983 - 1992 unter der Leitung des damaligen Ordinarius Prof. Otto P. Hornstein, haben die Klinik in ihren heutigen Zustand versetzt, der die ambulante und stationäre Behandlung von dermatologischen Patienten in mehreren Gebäuden auf einem 1,2 Hektar großen parkähnlichen Gelände ermöglicht.

Heute wird in der Hautklinik unter der Leitung von Prof. Schuler auf höchstem Niveau die gesamte Palette der Diagnose und Therapie dermatologischer Erkrankungen angeboten, insbesondere für Hauttumore und entzündliche Hauterkrankungen. Damit hat sich die Dermatologie von ihrem ursprünglichen Schwerpunkt - den Geschlechts- und Infektionskrankheiten - entfernt, ohne diesen jedoch vollständig aufzugeben. Sie stellt im Verbund mit den übrigen Kliniken des Universitätsklinikums Erlangen einen wichtigen Bestandteil dar und wird sich auch in Zukunft als eigenständiges wie auch als interdisziplinär arbeitendes Fach behaupten. Der geplante Umzug der Hautklinik in ein neues Gebäude im 2. Bauabschnitt des Neubaus Medizin am Ulmenweg zum Ende dieses Jahrzehntes hin wird eine wichtige, aber zeitgemäße und notwendige räumliche Veränderung nach fast 100 Jahren am Standort Hartmannstraße darstellen.

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19. Oktober 2006

Prof. Dr. Hans Ulrich Zwicker zum 85. Geburtstag

Prof. Dr. Hans Ulrich Zwicker, bis zu seiner Emeritierung 1990 Inhaber des Lehrstuhls für Werkstoffwissenschaften (Metalle), vollendet am Donnerstag, 26. Oktober 2006, sein 85. Lebensjahr. Hans Ulrich Zwicker, geboren 1921 in Öhringen, Württemberg, studierte Chemie und Metallkunde an den Technischen Hochschulen in Wien und Stuttgart und beendete sein Studium 1950 mit der Promotion. Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Abteilungsleiter am Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie in Schwäbisch Gmünd und am Metall-Laboratorium der Metallgesellschaft AG Frankfurt/Main. Zudem war er als Oberbaurat an der Fachhochschule Aalen tätig. 1966 nahm er einen Ruf an die Technische Fakultät in Erlangen auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Metalle) an. Er gehörte damit zur Gründergeneration der 1966 gestarteten Technischen Fakultät und des neuen Studienganges Werkstoffwissenschaften. Seine wissenschaftliche Arbeit erstreckte sich auf die Geschichte der Technologie der Metalle, die Erforschung von Gusseisen mit Kugelgraphit, Kupfer und Kupferlegierungen, Manganlegierungen, metallische Implantatwerkstoffe, Supraleiter, Titan und Titanlegierungen. Im Jahr 1999 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Nach seiner Emeritierung widmete sich Prof. Zwicker - durch eigene Erfahrung als Münzsammler ein Spezialist auf diesem Gebiet - der Katalogisierung der antiken Münzsammlung der Universitätsbibliothek, die er durch die großzügige Schenkung von weiteren 11.000 Münzen beträchtlich bereicherte. In der 12.000 Münzen umfassenden Sammlung Will, die 1916 in den Besitz der Universitätsbibliothek gelangt war, entdeckte Professor Zwicker 1992 eine Rarität: eine griechische Goldmünze aus dem antiken Pisa bei Olympia, die den bekannten gedruckten Nachschlagewerken und Katalogen zufolge ein Einzelstück ist. Die Münze wurde aus Gold geprägt, das aus dem Zeustempel in Olympia stammt. Ob es direkt aus dem Tempelschatz oder sogar der Zeusstatue selbst, einem der sieben Weltwunder der Antike entnommen wurde, ist bislang noch ungeklärt. Nach bisherigem Forschungstand gibt es weltweit nur zwei Münzen ähnlicher Art.

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Multimodale Bildgebung in der präklinischen Forschung - Neue DFG-Forschergruppe in der Medizin

Die Universität Erlangen-Nürnberg wird zum Zentrum einer neuen Forschungskooperation. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die aus Wissenschaftlern verschiedenster Fachrichtungen und Forschungsgebieten bestehende Gruppe in den nächsten drei Jahren mit insgesamt 3,5 Mio. ?. Durch die Einrichtung der neuen DFG-Forschergruppe FOR 661 werden Untersuchungen im Bereich der so genannten multimodalen Bildgebung einen entscheidenden Schritt nach vorne gebracht. Gegenstand der Neugier der Wissenschaftler ist insbesondere die Kombination verschiedener, teils neuartiger bildgebender Verfahren wie der Mikro-Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Ultraschall- und Fluoreszenzbildgebung, um aus der kombinierten Bildgebung genauere Aussagen über Ursachen, Verlauf und Therapie von Krankheitsbildern zu erhalten.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Willi Kalender, Direktor des Institutes für Medizinische Physik der Universität Erlangen-Nürnberg, werden seit Oktober mehr als ein Dutzend Wissenschaftler an der Erforschung der mikroskopischen Strukturen unter anderem des Gehirns arbeiten. Hauptgegenstand der Forschungen ist neben der Verbesserung verschiedener, nicht invasiver und damit schonender (und Versuchstiere sparender) Bildgebungstechniken auch die Untersuchung der Auswirkungen neuartiger Therapiestrategien bei chronischen Schmerzen, Schlaganfall und bösartigen Tumoren. Diese Erkenntnisse sind nur durch den Einsatz moderner und entsprechend kostspieliger Geräte zu erreichen. Dafür kann die Forschergruppe - ebenfalls aus den Mitteln der DFG - drei Großgeräte anschaffen kann.

Die Bewilligung erfolgte zunächst über einen Zeitraum von drei Jahren mit einer Fördersumme von insgesamt 3,5 Millionen Euro, eine Verlängerung für weitere drei Jahre ist den Erlanger Forschern in Aussicht gestellt und das erklärte Ziel. Schließlich handelt es sich bei dem ehrgeizigen Projekt um Grundlagenforschung im besten Sinne: Neben der Weiterentwicklung schonender Bildgebungstechniken zur frühen Diagnose stehen unter anderem auch die Aufklärung der verschiedenen Schlaganfallsursachen im Fokus. Aus den Ergebnissen erhoffen sich die Forscher um den Neuroradiologen Prof. Dr. Arnd Dörfler eine verbesserte Diagnostik und ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen.

Andere Arbeitsgruppen verfolgen nicht weniger ehrgeizige Ziele: Prof. Dr. Kay Brune und Priv.-Doz. Dr. Andreas Hess aus der Erlanger Pharmakologie erforschen die Wirkung verschiedener neuer Arzneimittel auf ihr Vermögen, chronische Schmerzen zu verhindern, wohingegen sich der (noch) Bochumer Prof. Dr. Helmut Ermert wie auch sein Erlanger Kollege, Prof. Dr. Achim Langenbucher, die Entwicklung einer dreidimensionalen Bildgebung mittels Ultraschall- und optischer Verfahren analog zum Prinzip der CT zum Ziel gesetzt haben.

Das Institut für Medizinische Physik der Universität Erlangen-Nürnberg, eine der weltweit führenden Einrichtungen auf diesem Gebiet, zeichnet verantwortlich für die röntgenologische Darstellung mittels Mikro-CT, einer modernen Variante der bekannten Computertomographie, die sich durch höchste Auflösung bei kleinen zu untersuchenden Objekten auszeichnet. Die Wissenschaftler um Prof. Kalender und den Bildrekonstruktionsspezialisten Prof. Dr. Marc Kachelrieß arbeiten hierzu an neuen Aufnahme- und Rekonstruktionsmethoden, insbesondere an Verfahren zur Reduktion der Strahlendosis, bei gleichzeitiger Beibehaltung der Bildqualität.

Hierzu stehen in Erlangen ein interdisziplinär orientiertes Team und alle derzeit als wichtig erachteten und medizinisch relevanten Bildgebungsverfahren zur Verfügung. Wenngleich der Mikro-CT eine besondere Rolle zukommt, da sie in jedem der sechs Teilprojekte vertreten ist und somit quasi das Rückgrat und den Vergleichsmaßstab für alle Verfahren darstellt, so ist die Kombination der Verfahren der entscheidende Ansatz in der Weiterentwicklung der diagnostischen Kleintierbildgebung und ein wichtiger Schritt in der Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse auf den Menschen. Mit der Bewilligung dieser Forschergruppe wird der Anspruch Erlangens als ein Zentrum der Medizintechnik, der Entwicklung von Bildgebungstechnologie und der konstruktiven Bemühungen um den Tierschutz anerkannt und verstärkt.

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18. Oktober 2006

Studie der Christlichen Publizistik untersucht Medienberichte über Kirche

Kirchenbild in den Medien besser als vermutet Die kirchliche Klage über die journalistische Wahrnehmung ihrer Institution und ihres Glaubens ist Legion. Von *Skandalberichterstattung” ist häufig die Rede. Den Medien wird eine antikirchliche Einstellung vorgeworfen. Der Theologe Daniel Meier von der Abteilung Christliche Publizistik der Universität Erlangen-Nürnberg hat es sich in seiner Dissertation zur Aufgabe gemacht, diese Vorbehalte wissenschaftlich zu überprüfen. Er analysierte dafür langfristig mehrere deutsche Zeitungen aus Ost und West. Ergebnis: Das mediale Kirchenbild ist vorteilhafter, interessanter und vielfältiger als oftmals vermutet. Die Nachrichtenwerte *Schaden” und *Konflikt” sind erheblich schwächer ausgeprägt als dies in der Berichterstattung über Politik der Fall ist.

Keinesfalls berichten Journalisten nur über Kardinalsernennungen oder Kirchentage als mediale Großereignisse. Auch das alltägliche Gemeindeleben hat eine Chance in die Zeitung zu kommen, wenn es dem Leser etwas zu sagen hat. So findet sich eine große Reportage über ein christliches Sterbe-Hospiz neben dem Porträt holländischer Eltern, die sich als Christen fragen, ob sie ihr behindertes Kind abtreiben dürfen oder nicht. Dabei treten die Gläubigen in der Tagespresse weniger hierarchisch auf als dies in der evangelischen Pressearbeit mit einer klaren Dominanz des Bischofs der Fall ist.

*Je religiöser formuliert, desto irrelevanter für die Medien” - auch dies ist ein Vorbehalt, den die Studie widerlegt: Gerade bei Ereignissen, die sich jeder menschlichen Vernunft entziehen, bedient sich die journalistische Sprache häufig religiösen Vokabulars. Vor allem die Boulevardpresse artikuliert vergleichsweise unbefangen religiöse Dimensionen. So druckt etwa die Bild-Zeitung am Tage nach der Trauerfeier für ein ermordetes Mädchen aus dem brandenburgischen Eberswalde die gesamte Traueransprache von Bischof Wolfgang Huber unter der Überschrift *Gott - wo bist Du gewesen?” An anderer Stelle wünscht sich Kolumnist Franz-Josef Wagner für den an Krebs erkrankten BVB-Stürmer Heiko Herrlich, *dass er bei Gott alle Kraft findet, um diese Situation durchzustehen.” Auch die anderen Zeitungen pflegen eine Art Nutzwert-Journalismus, der Antworten auf die Frage gibt: *Wie bewältigen Menschen mit Hilfe von Gott und Kirche ihr Lebensschicksal?”

Protestanten nicht benachteiligt
Nicht zuletzt weist die Studie das speziell evangelische Gefühl der Vernachlässigung durch die Medien zurück: Zwar ist der Katholizismus im Politik-Ressort stärker präsent. Im Feuilleton und im Lokalen besteht hingegen eine annähernde Ausgewogenheit. Profitiert die katholische Kirche im Fernsehen deutlich vom Nachrichtenfaktor Visualisierung, passt die Fixierung der evangelischen Kirche auf das Wort offenbar besser zum Genre Tageszeitung. Freilich besitzen die binnenkirchlichen Differenzierungen für den Journalisten längst nicht die Bedeutung wie für die Kirche selbst. Wer mag, kann darin ein journalistisches Desinteresse erkennen, positiv könnte jedoch auch eine journalistisch praktizierte Ökumene bescheinigt werden, meint Dr. Daniel Meier.

Angesichts der überraschenden Ergebnisse mag man sich verwundert fragen, woher eigentlich die pauschale Abwehr mancher Kirchenvertreter den Medien gegenüber rührt. Neben schlechten Erfahrungen im Einzelfall, die bisweilen zu Verschwörungstheorien verallgemeinert werden, könnte der Grund nicht zuletzt in einer grundlegenden Konkurrenz zwischen Pfarrern und Journalisten liegen, lautet die These des Autors. Beide Berufe deuten das Weltgeschehen auf ihre Art und Weise, auf der Kanzel oder in der Redaktion, in der Predigt oder in der Reportage. Dagegen könnte die journalistische Wahrnehmung manches kirchliche Selbstbild hilfreich korrigieren. Nicht zuletzt diene eine kritische Presse auch der Kirche letztlich mehr als jede Hofberichterstattung.

Daniel Meier: Kirche in der Tagespresse. Empirische Analyse der journalistischen Wahrnehmung von Kirche anhand ausgewählter Zeitungen. Erlangen, Verlag Christliche Publizistik, 2006, 25 Euro.

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