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31. Oktober 2006

Der pädagogische (Krisen-)Diskurs über die Großstadt an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Abgelegt unter: Augburg, Universität — info @ 08:55

Ein neues DFG-Projekt der Augsburger Pädagogik Die “Rekonstruktion des pädagogischen (Krisen-)Diskurses über die Großstadt zwischen 1890 und 1930″ ist das Ziel eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts, das am Lehrstuhl für Pädagogik der Universität Augsburg von Prof. Dr. Eva Matthes und Dr. Carsten Heinze geleitet wird.

Als Antwort auf die überwiegend als krisenhaft erfahrenen Auswirkungen der Moderne, die in der Großstadtkultur mit ihren Säkularisierungs-, Pluralisierungs- und Individualisierungsprozessen zu kulminieren schienen, schwang sich die Mehrzahl der Pädagogen zum Anwalt der durch diese Prozesse gefährdet erscheinenden Kinder und Jugendlichen auf. Durch das sittliche und gesundheitliche Gefährdungspotential der Städte sahen sie die angemessene Entwicklung der Kinder und Jugendlichen bedroht, und in dem sich als diffus, unübersichtlich und heterogen darstellenden Erziehungsraum der Großstadt schien eine pädagogische Intervention zum Scheitern verurteilt. Der “verderbten” Großstadt wurde häufig das Land als idealer Erziehungsraum gegenübergestellt, der sich nach der Meinung der meisten Diskursteilnehmer durch den geschlossenen sozialen Kreis, die übersichtliche Gemeinde und vor allem durch seine pädagogische Beherrschbarkeit auszeichnet.

Vereinfachte und verzerrte Polarisierung des Stadt-Land-Verhältnisses

Die Projektgruppe um Matthes und Heinze wird zunächst den kulturkritischen Großstadtdiskurs aufarbeiten, der sich am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer allgemeinen Großstadtkritik verdichtete und dessen Schwerpunkt oft in einer grobschlächtig vereinfachten und ideologisch verzerrten Polarisierung des Stadt-Land-Verhältnisses lag. “Wir interessieren uns insbesondere dafür, ob pädagogische Großstadtkritik immer als - rückgewandte - Kritik an modernen Lebensformen zu verstehen ist oder ob hier nicht auch rationale, sozialkritische Argumentationsmuster aufgegriffen werden”, erläutert Mattthes. In einem zweiten Schritt will das Augsburger Pädagogenteam dann die Darstellung der Großstadtthematik in den deutschsprachigen Fibeln des genannten Zeitraums untersuchen. Das Interesse richtet sich hier insbesondere auf die Thematisierung der kindlichen Lebenswelt in Stadt und Land sowie auf das von Erwachsenen konstruierte Bild vom Kind.

Im Zentrum der Analyse stehen die Ursachen und Motive für die Entstehung bzw. die Aufrechterhaltung des Diskurses, die Mechanismen der Reproduktion des Diskurses, die verwendeten Topoi und Argumentationsmuster, die Veränderung des Diskurses, die Wirkungsabsichten der am Diskurs Beteiligten und die Wirkungen und Funktionen des Diskurses selbst. Ein weiterer Bezugspunkt des Projekts sind die dem pädagogischen (Krisen)Diskurs über die Großstadt zugrundeliegenden Konstrukte, Bilder und Konzepte von Kindheit und Jugend im Untersuchungszeitraum.

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