Europäische Gefäß- und Venenexperten tagen in der Hansestadt Rostock
Die 48. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie findet vom 4. bis 7. Oktober 2006 in der Hansestadt Rostock statt (www.phlebologie2006.de). Der viertägige wissenschaftliche Kongress mit über 500 Teilnehmern aus dem In- und Ausland wird gemeinsam mit den Fachgesellschaften aus den Benelux-Staaten, Frankreich, Lettland, Österreich, Polen und Schweiz sowie der skandinavischen Länder ausgetragen und steht unter dem Motto „Phlebologische Innovationen im neuen Europa“. Die Phlebologie (Phlebologie=Venenerkrankungen) ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Erkennung und Behandlung von Gefäßerkrankungen wie Venenerkrankungen, Krampfadern und Hämorrhoiden befasst. Zu den Schwerpunkten des Kongresses gehören internationale Innovationen, die das bisherige therapeutische Vorgehen beim Krampfaderleiden, beim Lip- und Lymphödem entscheidend verändern werden. Integriert ist eine Pflegefachtagung, ausgerichtet von der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung (DGfW).
„Von der Jahrestagung in der Rostocker Stadthalle erwarten wir nicht nur entscheidende Impulse für neue und wissenschaftlich fundierte Therapieansätze und Operationsmethoden“, betonte der Tagungspräsident und Direktor der Universitätshautklinik Greifswald, Prof. Michael Jünger. „Der Kongress dient auch der Intensivierung der europäischen Forschungskontakte, die sich bereits auf einem sehr hohen Niveau bewegen.“ Im Fokus stehen sowohl neue minimalinvasive und somit vor allem schonende Operationsmethoden als auch der Einsatz neuer Wundmaterialien und Kompressionstherapien.
Venenleiden und Gefäßerkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Erkrankungen. Etwa jeder zweite ist mehr oder minder schwer betroffen, jeder fünfte davon muss sich im Lauf seines Lebens deswegen einem Eingriff unterziehen und jeder achte Erwachsene hat eine chronische Venenerkrankung. Entgegen dem öffentlichen Anschein handelt es sich dabei nicht um ein gesundheitliches Problem vorrangig von Frauen. Männer plagen sich im gleichen Maße mit Besenreisern, Krampfadern und schweren Beinen. Etwa eine Million Deutsche leiden an einem offenen Bein. Das bedeutet ein Leben mit chronischen Schmerzen und enormen Verlust der Lebensqualität. Wer Venenbeschwerden nicht ernst nimmt, riskiert auf Dauer offene Wunden oder Thrombosen mit tödlichen Lungenembolien. So sterben in Deutschland pro Jahr ca. 30.000 Menschen an einer Lungenembolie, eine Komplikation, die häufig aus einer Venenerkrankung entsteht.
„Der medizinische Fortschritt in der Phlebologie hat eine Reihe innovativer Methoden für die Patienten hervorgebracht, die zum Teil schon herkömmliche operationsintensive chirurgische Eingriffe abgelöst haben“, unterstrich Jünger. Inzwischen existieren aussagekräftige Studien und Untersuchungen, die klare Aussagen über die Zukunft von sanften Hightech-Lösungen zulassen. Dabei geht es insbesondere um Verfahren bei der Entfernung von Krampfadern mittels Laser- und Hochfrequenzwellentherapie sowie mit Hilfe einer Schaumsklerosierung. „Die unterschiedlichen Therapieansätze mit Lichtenergie, Magnetwellen oder Verödungsschaum werden sicher auch kontroverse Diskussionen nach sich ziehen“, so der Greifswalder Mediziner.