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15. Oktober 2006

RWTH-Wissenschaftler entwickeln neuartige Rollstuhl-Hand-Bikes

Kinder mit spastischen Lähmungen haben sehr unterschiedliche Bewegungsstörungen, sie reichen von kaum wahrnehmbar bis sehr auffällig. Für den Alltag der Kinder ist es aber wichtig, sich selbst und aktiv zu bewegen. Hier setzt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der RWTH Aachen an, dessen Ergebnisse unter dem Titel ROBKIDS vom 18. bis 21. Oktober auf der Messe REHACARE in Düsseldorf präsentiert werden. Das Institut für Getriebetechnik und Maschinendynamik sowie der Lehrstuhl für Angewandte Medizintechnik haben in Zusammenarbeit mit der Viktor Frankl Schule in Aachen zwei neuartige Rollstuhl-Hand-Bikes für Kinder mit spastischen Lähmungen entwickelt.

Die entwickelten Rollstuhl-Hand-Bikes für Kinder, kurz ROBKIDS, orientieren sich an herkömmlichen Hand-Bikes, einem Behindertensportgerät. Dieses ist vergleichbar mit einem Fahrrad und wird vor einem Rollstuhl befestigt. Es wird aber allein durch die Arme angetrieben. Das Betätigen der Handkurbeln erfordert ein Mindestmass an Koordinationsfähigkeit der Muskeln, diese ist allerdings bei Kindern mit spastischen Lähmungen häufig sehr eingeschränkt. Einfache lineare Handbewegungen, seien es Auf- und Abbewegungen oder Vor- und Zurückbewegungen, können die Kinder hingegen ausführen. Hierauf aufbauend wurden die beiden neuartigen Rollstuhl-Hand-Bikes konzipiert, die als Vorbau an den vorhandenen Rollstuhl angebracht werden.

Die beiden Modelle unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Antriebsbewegung. Im ersten Konzept wird eine vertikale Antriebsrichtung umgesetzt. Über zwei Griffe, die abgewinkelt oder gerade sein können, wird die Antriebsbewegung eingeleitet. Eine Feder ermöglicht eine gezielte Kraftunterstützung der Aufwärtsbewegung. Das zweite Konzept unterstützt die horizontale beziehungsweise geneigte Antriebsrichtung. Hierbei sind die Modifikationen eines handelsüblichen Hand-Bikes weitaus komplexer, allerdings kann das Hand-Bike wesentlich besser auf die individuellen Fähigkeiten des Kindes abgestimmt werden. Damit eine ungewollte Lenkbewegung des Kindes nicht durch die Antriebskraft verstärkt wird, ist eine Entkopplung von Antriebs- und Lenkbewegung erforderlich (Bild). Das Projekt wurde durch die Holste-Stiftung der RWTH Aachen gefördert. Diese wurde im Dezember 1997 von Prof. Dr.-Ing. Werner Holste und seiner Ehefrau Gertraude eingerichtet. Prof. Holste studierte, promovierte und habilitierte an der RWTH Aachen. Als außerplanmäßiger Professor hat er 35 Jahre in Vorlesungen zu den Auswirkungen der Gesetzgebung auf die Auslegung von Kraftfahrzeugen sein Wissen an Studierende weitergegeben. Aus Verbundenheit zur RWTH Aachen gründete er die Holste-Stiftung, die Forschungsprojekte auf den Gebieten des Maschinenbauwesens, der Medizin und der Elektrotechnik finanziert.

Weitere Informationen erhalten Sie bei

Dr.-Ing. Mathias Hüsing
Institut für Getriebetechnik und Maschinendynamik
Tel: 0241/80-95554
E-Mail: huesing@igm.rwth-aachen.de

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